Schlachtenlärm ums Westwerk

Rettet das Westwerk! Das klingt dramatisch. Wann soll denn die Abrissbirne anrollen? Offensichtlich gar nicht. Dennoch gibt es Plakate und FB-Seiten mit diesem eindringlichen Appell. Eine Diskussion soll ebenso stattfinden wie eine Demo.
Im Dezember musste der Westpol Airspace ausziehen, nun haben auch Sublab und einige andere Mieter die Kündigung bekommen. Ja, das sind Verluste. Für das unmittelbare Umfeld, nicht die Stadt. Sebastian Denda bespielt unterdessen schon andere Lokalitäten und wird sicherlich auch mal den Westpol wieder eröffnen, wenn auch nicht mit solch einem großzügigen Platzangebot. Das Sublab wird ebenso eine Bleibe finden, Hacker sind ja eigentlich sowieso ortlos. Weiterlesen

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Pendel

Ein Mann geht durch eine weite, offene Landschaft. Plötzlich hängt in Augenhöhe ein kleiner Ball aus Hartgummi vor ihm. Er blickt nach oben in den wolkenlosen Himmel, kann aber nicht erkennen, wo die Schnur befestigt sein könnte. Er nimmt den Ball, tritt ein paar Schritte zurück und gibt ihm Schwung. Der Ball schwingt nach vorn, immer weiter, ist bald nicht mehr zu sehen. Der Mann geht weiter, sieht einige seltsam geformte Steine, Tieren ähnlich. Dann steht er vor einem Loch in der Erde, etwa einen Meter im Durchmesser. Er kann nicht erkennen, wie tief es ist. Als er sich über die Öffnung beugt, trifft ihn der Hartgummiball am Hinterkopf.

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Klassisches Eigentor

Die Erfolge der großen Vereinfacher in den letzten Monaten, von Johnson und Trump bis zu Erdogan und Kaczynski, ziehen auch hierzulande nicht nur simpel gestrickte Dumpfbacken in ihren Bann, sondern auch einige echte Intellektuelle. Manche bekommen nach ersten Vorstößen Angst vor der eigenen Courage und rudern zurück, so der ewige Fähnchen-in-den-Wind-Halter Sloterdijk. Andere meinen es wohl ernst.

Seit einigen Wochen schreibt die promovierte Philosophin Caroline Sommerfeld für Götz Kubitscheks neurechtes Portal Sezession. Gleich in einem ihrer ersten Artikel – er bezieht sich auf Carolin Emckes Buch Gegen den Hass – greift sie voll daneben. Zumindest muss es aus Sicht ihrer Mitstreiter so aussehen. Sommerfeld schreibt: Von „Reinheit“ ist rechterseits nie die Rede, auch „Homogenität“ ist eine Strohpuppe, die NS-Bezüge insinuiert („Rassereinheit“), die aber im gegenwärtigen politischen Diskurs niemand vertritt. Weiterlesen

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Dresdens erfolgreiche Befreiung von den Patrioten

Alles in allem war dies eine sinnlose Schlacht gewesen. Die meisten der blutjungen Verteidiger waren mit alten Musketen oder noch mit Säbeln bewaffnet. Nur einige wenige moderne chinesische Waffen hatte man noch aus der Stadt heranbringen können. Die Jungs waren chancenlos gegen unsere Truppen; sie starben, obwohl sie doch wissen mussten, dass wir ihnen lediglich etwas Zivilisation bringen wollten. Ein Wahnsinn.

Der Wahnsinn nennt sich Einnahme von Bannewitz, einem Dorf südwestlich von Dresden. Die Beschreibung stammt aus den Erinnerungen des Generals Yusef Hadid. Das Problem dabei ist, dass es diesen General ebenso wenig gegeben hat wie das dargestellte Scharmützel.

Der aus Syrien stammende Künstler Manaf Halbouni schreibt die Geschichte um. Die angeblichen Erinnerungen handeln im Jahr 1919. Die arabische Armee erobert mit Unterstützung der türkischen Vasallen ganz Mitteleuropa. Natürlich vor allem um etwas Zivilisation zu bringen, ist doch der Mittelmeerraum wirtschaftlich und technisch viel weiter entwickelt als das alte Abendland. Lediglich China, das die europäischen Rebellen unterstützt, ist ein ernsthafter Konkurrent.

Manaf Halbouni "Die Neue Arabische Karte", 2015, Zeichnung, Tusche auf Papier, 24 x 30 cm, Courtesy: MdbK Leipzig/Manaf Halbouni

Manaf Halbouni „Die Neue Arabische Karte“, 2015, Zeichnung, Tusche auf Papier, 24 x 30 cm,
Courtesy: MdbK Leipzig/Manaf Halbouni

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Karl Heines Frau blödelt rum

stabhochsprung

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Was tun? Was tun!

War das nicht erst gestern? Occupy in New York, Arabischer Frühling, Massendemonstrationen gegen Putin, soziale Proteste von Brasilien bis Israel . Jetzt feiert Pegida zweiten Geburtstag, wird ein unberechenbarer Clown Präsident der USA, werden die Türkei, Russland, Ungarn und Polen zu autoritären Regimes umgebaut. Und in einigen Monaten könnte Frankreich erstmals eine Präsidenten bekommen, ohne dass Feministinnen sich darüber freuen werden. Weiterlesen

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ekwwwe

Ein klein wenig wacklig wurde es,
als sie mit einem 13er Inbusschlüssel
die Stützräder ihrer Beziehung abschraubten:
– Penne Bolognese mit viel Parmesan
– ein knittriges SW-Foto von 1993, 16. August
– sieben vordere Sendeplätze auf der Fernbedienung
– eingefahrene Praktiken des Vorspiels.
So, sagte er. Naja, sagte sie.
Sie glotzten auf das Beistelltischchen des Sonnabends:
– Sauerampfersuppe mit Creme fraiche
– einige Smileys in aktuellen Emails
– Wanderkino auf der Warze
– die Möglichkeit der Nutzung von Latex.
Wird schon laufen. Mit dekorativen Schlenkern.
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Unfair aus Prinzip

Als Mitbetreiber eines Geschäfts, dessen Waren durchweg als Fair Wear gekennzeichnet sind, ist es mir ein Bedürfnis, auf den neuesten Artikel von Georg Immanuel Nagel einzugehen. Nachdem der Autor der Blauen Narzisse mir zuletzt durch seine Apologetik ethnischer Homogenität aufgefallen ist, stellt er nun die Frage Wozu Fair Trade? Dass dies für einen Rechten keine rhetorische Frage ist, erscheint naheliegend. Was soll denn dieser Scheiß mit gerechten Austauschbeziehungen?

Eingangs versucht sich Nagel als Satiriker: Die Weißen seien angeblich auf Grund nicht näher erklärter, offenbar gottgegebener „Privilegien“ von Hause aus stinkreich. Zudem würden sie vor allem die Dritte Welt massiv „ausbeuten“. Zur ersten Aussage: Nein, Herr Nagel, es sind keine gottgegebenen Privilegien, die den Reichtum der westlichen Welt begründen, sondern mehr als 500 Jahre Kolonialismus. Wer allerdings den Geschichtsunterricht komplett geschwänzt hat, weil nach übereinstimmender Auffassung der Neuen Rechten in deutschen, wohl auch österreichischen, Schulen (G.I. Nagel ist kein richtiger Deutscher) dort 12 oder gar 13 Jahre lang ausschließlich über den Holocaust gesprochen wird, kann das einfach nicht wissen. Zur zweiten Aussage. Die ironisierenden Anführungszeichen und den Konjunktiv können Sie ruhig weglassen. So wird ein korrekter Satz daraus: Die westliche Welt beutet die sogenannte Dritte Welt nach wie vor massiv aus. Haben Sie irgend welche Belege, dass dies nicht stimmt? Weiterlesen

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Open? War mal.

Am Freitagabend durfte ich der Vorbereitung eines Begräbnisses beiwohnen. Offiziell nannte sich das Ganze Vernissage der Designer´s Open 2016, auch wenn zahlende Besucher schon den ganzen Tag die Verkaufsveranstaltung ansehen konnten. Aus irgendeinem Grund gehörte ich zu den Privilegierten, die eine Einladung zum abendlichen Event mit Modenschau und Livemusik bekamen. Das Catering war hervorragend. Leider hatte ich – unwissend – spät zu Mittag gegessen, konnte mich darum gar nicht so richtig vollschlagen.

Auch die eigentliche Ausstellung war nicht schlecht. Schöne Sachen, viel Edles von Jacken aus handgesponnener Cashmere-Wolle bis zu Schmuck mit schwarzen Zuchtperlen. Entsprechend gehoben das Preisniveau. Dazu dann aber Malerei und Grafik, die bei keiner ernst zu nehmenden Kunstmesse eine Chance hätte. Weiterlesen

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Drei Strategien

Strategie klingt ziemlich hochtrabend, als hätten da etliche Leute oder aber ein Genie getüftelt und dann den Masterplan ausgegeben. So ist es nicht. Eher zufällig haben sich bei den Anhängern von Pegida & Co. sowie deren Sympathisanten drei auffällige Verhaltensweisen im Umgang mit ihren Kritikern herausgebildet:

  1. Falsches behaupten. Running Gag in dieser Beziehung ist die Behauptung, Gegendemonstranten würden bezahlt. Aber auch sonst ist der Umgang mit Fakten von den Leuten, die gern „Mut zur Wahrheit“ einfordern, höchst abenteuerlich.
  2. Die Auseinandersetzung mit Rechtsradikalismus ins Lächerliche ziehen. So ist seit Langem auf der FB-Seite von Legida von „Kampf gegen Rääächts“ die Rede, und der Grünen-Politiker Jürgen Kasek wird als Conchita Wurst bezeichnet.
  3. Nazis sind die anderen. Auch wenn in dem Wort unüberhörbar Nationalismus drinsteckt, werden permanent die internationalistisch ausgerichteten Gegner so bezeichnet oder von SAntifa geschwafelt.

Diese drei Strategiern haben sich auch Leute angeeignet, die auf keinen Fall mit den Gidas oder AfD in Verbindung gebracht werden wollen und sicher auch bei keinem „Spaziergang“ dabei waren. Die Sprache der ganz weit Rechten beherrschen sie aber intuitiv.

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