Sympathie für Bekloppte

Ich habe es getan. Ich habe mir das Magazin für Souveränität für 4,95 Stück europäisches Geld gekauft. Compact nennt es sich im Haupttitel. Herausgeber Jürgen Elsässer hatte ich erstmals zur Kenntniss genommen, als ich 2003 für kurze Zeit Abonnent der junge Welt war, für die er damals schrieb. Schon zu dieser Zeit fiel mir unangenehm auf, dass er wie auch andere Autoren der Zeitung nach dem Motto handelte: Feinde unseres Feindes sind unser Freund. So wurde schlimmen Diktatoren applaudiert, wenn sie sich nur energisch gegen die USA aussprachen.

Dass Elsässer heute im deutschsprachigen Raum als Hauptpropagandist von Verschwörungstheorien gilt, ist bekannt. Zu Veranstaltungen von Compakt wie im Frühling dieses Jahres am Rande Leipzigs lädt er sich Gestalten wie Thilo Sarrazin oder Eva Herrmann ein. Weiterlesen

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There’s a new guitar in town

Leipzig bekommt eine neue Zeitung! Gedruckt! Auf Papier! Ok, eine andere verschwindet dafür, doch die bisherige Leserschaft von 3Viertel wird die Expansion auf das ganze Stadtgebiet und prospektiv darüber hinaus in die Weiten Mitteldeutschlands mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen. Genau dahin will das Blatt, das bisher einmal pro Quartal für Lindenau, Plagwitz und Leutzsch erschienen ist, nun wöchentlich unter dem Titel Leipziger Zeitung ausstrahlen. Das braucht Partner. Diese wurden mit Weltnest und Leipziger Internetzeitung gefunden.


 

Der Trend zur Wochenzeitung ist zeitgemäß. Bei einer Diskussionsveranstaltung des Kreuzer im Juni 2013 in Halle 14 wurde laut darüber nachgedacht, das Stadtmagazin in der Erscheinungsweise auf den Wochenrhythmus umzustellen. Die im Podium anwesende Chefin der Taz pries die neue Wochenendausgabe ihres Blattes auch als die mögliche Rettung für kriselnde Tageszeitungen an. Die Süddeutsche Zeitung erprobt unterdessen ein vergleichbares Format.

Eine Wochenzeitung für Leipzig – unabhängig, gut recherchiert, vielseitig – das hört sich toll an. Haben aber die drei Koalitionäre das journalistische wie auch wirtschaftliche Potential dazu? In Bezug auf das journalistische Können dürfte in diesen Trio wohl die L-Iz das meiste Gewicht einbringen

Doch auch da sind bisher die Rubriken spürbar verschieden gewichtet. Während es zu lokal- und regionalpolitischen Themen fundierte Recherchen und auch Meinungsäußerungen mit Biss gibt, sieht der Kulturteil doch ziemlich dürftig aus. Volly Tanner mag als Interviewer von Popmusikern zwar durchaus kompetent sein, wagt er sich aber ins Gebiet der Bildenden Kunst, wird es bescheiden. Und auch die Beiträge von Chefredakteur Ralf Julke auf diesem Gebiet sind eher harmlos. Natürlich kann er sich nicht auf allen Gebieten gleichermaßen auskennen. Doch gerade bei problematischen Themen wie der Image-Show der Deutschen Bank im Bildermuseum oder der umstrittenen Ausstellung “Die Schöne und das Biest” am gleichen Ort verließen ihn doch seine kritischen Qualitäten in auffälliger Weise. Zudem werden in der L-Iz Preesemeldungen von Immobilienunternehmen wiedergegeben, ohne dass “Anzeige” darüber steht.

Ok, vorab über ein Projekt zu urteilen, das an sich auf jeden Fall zu begrüßen ist, macht keinen Sinn. Allerdings geschah Merkwürdiges, nachdem ich auf der Internetseite dieser im Entstehen begriffenen “Leipziger Zeitung” einen Kommentar postete, der nicht vollkommen in die Euphorie der anderen Kommentatoren einstimmte, sondern vor allem Wünsche nach einem starken Feuilleton und zugleich Zweifel an dessen Machbarkeit äußerte. Als ich paar Stunden später erneut in die Seite reinschaute, fand ich den Kommentar plötzlich nicht mehr, fragte deshalb in einem neuen Posting nach, ob denn das die neue Qualität des Journalismus sei. Ein User namens René antwortete, dass ich schon schauen müsse, unter welchen Artikel ich da eigentlich kommentiert hätte. Ich brauchte etwa eine Viertelstunde um herauszufinden, dass da wirklich zwei Beiträge ohne Überschrift aufeinander folgen. Als ich das dann erkannt hatte, gab ich den Lapsus zu, verbunden mit einer Kritik an der unübersichtlichen Benutzerführung. Es folgte ein Kommentar der Redaktion, dass dieser René gar nicht zu ihr gehöre, man meine kritischen Anmerkungen aber ernst nähme. In Ordnung.

Heute schaute ich nochmals in die Seite rein, nahm zur Kenntnis (nun wissend, wie  man da Grenzen zwischen Artikeln unterscheidet), dass sich auch beim ersten Beitrag die Zahl der Kommentare erhöht hatte und durfte feststellen, dass einer davon mir galt. Nicht von irgend einem Möchtegern-Redakteur, sondern in Versalien hervorgehoben als REDAKTION. Nun wird es spannend. Das scheint nicht die gleiche Redaktion von gestern zu sein. Offensichtlich besitzt das Hochhaus des neuen Verlages schon mehrere Etagen und der Fahrstuhl dazwischen hat Macken. Oder ein gestern gerade den Sonntag genießender Mitarbeiter kam heute aufgeregt hinzu um mitzuteilen, dass dieser Kassner doch ein ganz schlimmer Schreiberling dieser LVZ sei, also der Feind an sich. Und so heißt es nun unter anderem: Statt an der Erweiterung einer Medienlandschaft teilzuhaben oder Wohlwollen zu üben, sind ihre Unterstellungen unglaublich, dreist und mit Verlaub eine Frechheit. Ihre Unabhängigkeit haben Sie uns damit leider nicht unter Beweis gestellt.

“Wohlwollen üben”. Klingt gut. Klingt dämlich. Nein. Ich übe tatsächlich kein vorauseilendes Wohlwollen. Für 69 Euro soll man schon mal ein Abo abschließen, ohne klaren Erscheinungstermin, ohne Angaben zum Umfang der Zeitung oder deren Gliederung, ganz zu schweigen von einem erkennbaren Konzept. Bisher wird nur erläutert, wogegen man ist: die LVZ. Und ich als freier Journalist, der neben anderen Kunden auch die LVZ beliefert, bin ich eben Teil des Systems, das es zu bekämpfen gilt. Die einzige Tageszeitung ist am Ende, selbst die Bild Leipzig ist in vielen Belangen besser, sagt Moritz Arand von 3Viertel im ersten Leitartikel der Internetseite. Zu dieser Aussage bin ich eigentlich nicht kompetent genug mich zu äußern. Zum letzten Mal hatte ich BILD in der Hand vor etwa drei Jahren. Einer meiner damaligen Kunden, selbst Volksreporter des Blattes, drängte mich dazu. Nach zwei Minuten war ich immer fertig mit der Lektüre. Wenn das aber ein Qualitätsmaßstab der “Leipziger Zeitung” ist, fällt mir das Einüben von Wohlwollen noch schwerer.

Statt an der Erweiterung einer Medienlandschaft teilzuhaben … steht da noch in der höchstredaktionellen Antwort. Ach ja, googeln Sie doch einfach mal, was ich außer der systemerhaltenden Schreiberei für die LVZ noch so tue.

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Könnt ihr euch schenken

Normalerweise ist diese Seite werbefrei. In eigener Angelegenheit mache ich aber mal eine Ausnahme. Ich habe nämlich einen wunderschönen Fotokalender mit Leipzig-Motiven produziert, von dem es noch Restexemplare gibt.

kalender_kassner

Hier gibt es noch eine Übersicht der Motive

13 Blatt A4, Ringbindung mit Aufhänger

Für 10 Euro (inkl. 7 % USt) plus 1,45 € Versand zu haben.

Nun sagt bitte nicht alle, ihr hättet schon sämtliche Weihnachtsgeschenke besorgt.

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Hart gelandet (Auszug aus der Autobiografie)

Der Einschlag war hart, doch ich hatte keine Verletzungen. Nach etwa zehn Minuten Ruhepause versuchte ich die Luke der Landekapsel an den Schraubverschlüssen zu öffnen, was misslang. Sicherlich würde das Bergungsteam bald da sein, ich aber wollte einfach nur raus. Schließlich bemerkte ich, dass die Schrauben sowieso durchgesägt waren und die Luke nur vom Gummiring eines Einweckglases gehalten wurde. Mein schweizer Taschenmesser hatten mir die russischen Bordingenieure aus Sicherheitsgründen schon vor dem Start abgenommen. Doch einen Fingernagelknipser hatten sie nicht als potenzielle Waffe identifizieren können. Damit durchzwickte ich den Gummi. Die Luke schnappte auf und ich bewegte mich auf die Öffnung zu, in der ich tiefblauen kasachischen Himmel sah. Doch ich hatte nicht beachtet, dass ein Ende des Gummis am Türhebel hängen geblieben war – und russische Einweckgläser sind für Jahrhunderte konzipiert. Das eiserne Rund schnellte zurück und mir auf den Schädel. Weiterlesen

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Einmischerin

In den Feuilletons hält das Gejammer an, dass „unsere Intellektuellen“ sich nicht mehr in gesellschaftliche Prozesse einmischen, so wie das früher angeblich üblich war. Mit den angeklagten Intellektuellen meinen die beschwerdeführenden Intellektuellen zumeist Schriftsteller. Zu den Ausnahmen, die offensichtlich nicht gemeint sein können, gehört Juli Zeh. Nicht zum ersten Mal erscheint nun eine Sammlung ihrer Aufsätze zu politischen Themen, von 2005 bis in die Gegenwart reichend.

Zwei Kernthemen, die sie miteinander zu verknüpfen versteht, sind die Demokratie und das Internet. Auf beiden Feldern wird ihr Erstberuf als Juristin spürbar, den sie vor der Schriftstellerei erlernt hat.

Gleich im ersten Text geht es um die Menschenrechte. Ähnlich wie bei den zehn Geboten meint jeder zu wissen, was drinsteht. Soll er sie aber zitieren, kommt er zu seiner eigenen Überraschung nicht über die ersten Artikel hinaus. Während manche Juristen ihr Expertenwissen nutzen, um Lücken und Widersprüche auszunutzen, verteidigt Juli Zeh nicht nur die Menschenrechte, sondern auch rechtsstaatliche und demokratische Prinzipien, ohne dabei blind zu sein vor den Mängeln und Verformungen der realen gesellschaftlichen Praxis.

Ob es um Fragen wie die (Un-)Zulässigkeit von Folter zur Aufklärung von Straftaten geht oder den Generalverdacht gegen Muslime bzw. Menschen, die nur aus muslimisch geprägten Ländern stammen – immer argumentiert sie so leidenschaftlich wie auch fachlich fundiert.

Nicht anders ist das bei ihrem zweiten großen Thema, dem Internet und dessen Freiheit. Sie hält Politikern vor, lange vor Angela-Merkels „Neuland“-Äußerung, auf die sie dann auch eingeht, das Internet lediglich zu nutzen, aber nicht mit ihm sachkundig umzugehen. Sie geht dann unter anderem mit Kollegen ins Gericht, die naiv die Profitinteressen der Großverlage verteidigen und dabei glauben, es sei im Interesse ihrer eigenen Urheberrechte.

Dass sich manches Motiv wiederholt, ist natürlich bei so einer Sammlung unabhängig entstandener und erstveröffentlichter Texte. Was aber auffällt, ist die zunehmende Routine des Schreibens im negativen Sinne. In den frühen Texten erfindet sie virtuelle Handelnde oder Gesprächspartner, um den Text lebendig zu gestalten. Dieses schriftstellerische Element schwindet zunehmend. Übrig bleiben professionelle, dabei aber zu „normale“ Texte. Schade.

Juli Zeh: “Nachts sind das Tiere”

Frankfurt a.M.: Schöffling 2014

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Besuch der alten Dame

Ein hoher Lehnstuhl steht mittig auf der Bühne. Auf einen Stock gestützt betritt sie die Szene. Marianne Faithful, 68. Aber in ein schickes schwarzes Kostüm gekleidet, auch die Musiker tragen Anzug. Nach zwei Songs aus ihrem frischen Album erklärt sie den Grund des nicht sonderlich dynamischen Auftritts. Sie hat sich vor vier Monaten den Hüftknochen zertrümmert, trägt jetzt eine Titanplatte.

Ist ja kein Beinbruch. Solange noch die Stimme da ist, die schon vor Jahrzehnten den entscheidenen Bruch erlangte, dank etlicher Stangen Zigaretten, viel Alkohol und anderen Stimulanzien. Dem unverbindlichen Geträller der Sechziger folgte dieses unverwechselbare Timbre. Und es ist noch da. Okay, nicht jeder Ton sitzt exakt auf der vorgehenen Notenlinie, auch verschleift sich manchmal das Tempo, sie arbeitet entschleunigend. Vor allem bei den berühmten Songs der Siebziger wie Broken Englisch oder Working Class Hero mit dem unnachgiebigen Drive von Bass und Schlagzeug wird das hörbar.

Was solls? Die hervorragenden Musiker fangen solche Abweichungen professionell auf, verarbeiten sie kreativ. Und Marianne thront im Spotlicht, lobt ihre Jungs süffisant und kriegt sich kaum ein vor Lachen, als sie versehentlich behauptet, sie sie nun seit 150 Jahren auf der Bühne. 50 ist aber auch schon viel. Und sie kann ohne irgend welche Show, ohne Luftballons und Tänzerinnen das überwiegend auch schon gereifte Publikum immer noch begeistern. Als Abschluss nach exakt anderhalb Stunden natürlich die unvermeidliche Ballad of Lucy Jordon. Da bleibt dann eigentlich gar nichts übrig für eine Zugabe. Diese bleibt konsequenterweise auch aus. Die Lady muss ins Bett. Hat sie sich redlich verdient.

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Kleinzschocher

Die Straße biegt nach rechts ab, mit ihr die Straßenbahnlinien 1 und 2. Geradeaus geht es in eine der formlosen Kleingartensparten. Links steigt die Rampe zu einer Fußgängerbrücke auf. Sie führt über die Gleise der Bahn. Es müssen mal deutlich mehr Gleise gewesen sein, Ausläufer des allmählich zugrünenden Güterbahnhofs Plagwitz. Von der Brücke sieht man abgestellte Waggons und Loks älteren Baujahres, eine Art Museum, aufgereiht auf einem toten Stück Strecke. Allgemein scheint dies eine gute Gegend für Enden zu sein. Endungen. Endigungen. Ein Doors-Song brummt im Kopf. Hinter der Brücke ein Friedhof mit den üblichen Serviceangeboten. Blumen und Grabsteine. Warum bietet kein niedergelassener Trauerredenschreiber seine Dienste an? Kein Geschäft für dunkle Mode? Klageweiber for rent? Umhäkelte Taschentücher? Ein Stückchen weiter ein Altersheim. Die Straßen sind merkwürdig leer in dieser so lebendigen Stadt. Sanierte Häuser, kein Verfall. Doch diese Stille. Zwei Reinigungskräfte in orangen Blaumännern picken Papier auf. Das heißt, einer pickt, der andere raucht. In der Nebenstraße repariert ein Trupp die Asphaltdecke. Ein DHL-Bote hat kein Glück. Keiner da. Zwei Polizeiautos entsteigen vier Uniformierte in kugelsicheren Westen, wollen in eine Wohnung. Keiner da. Komisch, alle Leute, die man sieht, sind irgendwie im Dienst. Aber wo sind die Bewohner, für die der Aufwand betrieben wird? Keiner da. Doch. Eine Frau mittleren Alters in schlabberiger Trainingshose schlurft einem kreiselnden Pudel hinterher. Der schrickt vor mir zurück, kommt dann doch ran, schnuppert. Er ist noch ganz jung, acht Wochen, hat vor allem Angst, gut dass er schnuppert, muss er lernen, ist ja noch ganz jung, acht Wochen, muss alles lernen, alles beschnuppern … Das Tier hat sich von mir abgewandt, hat nun die Nase an den Löchern eines Gullideckels. Der Gulli müffelt. Muss alles lernen … Ich konnte Pudel noch nie leiden.

kleinzschocher

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Füllhorn mit Löchern

Tradition – ein sumpfiges Gelände. In der Zeit der allumfassenden Fortschrittsgläubigkeit wurde sie gern den Superkonservativen, wenn nicht gar Reaktionären überlassen. Nun, in der Katerstimmung ist sie nicht so ganz einfach zurückzugewinnen. Zumindest in der Politik. Etwas anders mag das in der Literatur aussehen. Da galt die Erbepflege immer etwas mehr als sogar in der Bildenden Kunst, mit der am meisten der umstürzlerische Furor der modernistischen Modernen verknüpft wird. Weiterlesen

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Kostenlos ist nicht umsonst

Frau Sibylle zieht in SPON mal wieder vom Leder. So richtig wird mir bei ihr nie ganz klar, was sie eigentlich will. Mal lästert sie über den kapitalistischen Leistungsdruck, dann wieder über diejenigen, die Alternativen dazu entwerfen. Nur der Stil bleibt gleich: ausgelutschte Gemeinfloskeln durch forcierte Sprache aufpeppen.

Nun macht sie mit Sloterdijk und anderen Vordenkern des Neoliberalismus gemeinsame Sache und beschwert sich über die ihrer Meinung nach auf Geiz beruhende “Umsonstkultur” des Internet. Das funktioniert immer dann am besten, wenn man sich aus solch einem komplexen Gebilde wie dem Internet genau die Krumen rauspickt, welche die eigene These stützen, den großen Rest aber weglässt. Beherrschend sind für Frau Sibylle also die illegalen Downloads von Filmen, Musik, Büchern. Weil eben der Geiz regiert. Da kann man über solche Sachen wie Wikipedia, Open-Source-Software oder Croudfunding mal ganz leger hinwegsehen.

Möglicherweise hat Sibylle Berg aber auch noch nie etwas davon gehört. denn: Das Internet zu verstehen, mit all dem, was sich aus ihm noch entwickeln wird, ist ein wenig, wie das All zu begreifen. Wir sind zu blöd dafür. Diese unverhoffte Offenheit ähnelt etwas der Neuland-Aussage der Kanzlerin. Stimmt schon, das Internet in seiner Gänze zu verstehen und auch noch seine Zukunft zu prognostizieren, ist eine unlösbare Aufgabe. Aber auf der alten Masche der “Umsonstkultur” rumzureiten, die mit Diebstahl assoziiert wird, ist doch ein neoliberaler Verdummungsversuch. Ob sie selbst an den Shit glaubt? Als Zusammenfassung jedenfalls ruft sie den Lesern zu: Genießen Sie den kostenlosen Beitrag, und vergessen Sie nicht darauf hinzuweisen, dass man für so einen Mist ja wirklich kein Geld verlangen kann. Eigentlich darf man für den Mist wirklich kein Geld verlangen. tut sie aber. Denn der Artikel ist keinesfalls kostenlos. Spiegel zahlt ihr dafür Honorar. Im Unterschied zu den Millionen Enthusiasten, die tatsächlich das Netz kostenlosen Angeboten füttern. Viele davon sind auch noch nützlich. Im Unterschied zu Frau Sibylles Dünnpfiff.  Was diese Leute anbieten, ist wirklich kostenlos, was Frau Sibylle schreibt, ist umsonst.

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Starke Edit

Beim Aufschlagen der neuen edit lese ich zuerst den Namen Maruan Paschen. Der Junge hat mich mal gerettet. Leichtsinnig hatte ich zugesagt, beim ersten Chemnitzer Literaturwettbewerb für Jugendliche poet bewegt als Juror zu fungieren. Nach etwa dreißig Texten – nur ein Bruchteil des Stapels – wollte ich aufgeben. Dieses Emo-Geningele ging mir gewaltig auf den Sack. Und dann kam Paschen mit einem wunderbaren Text. Ich habe das Jurieren schließlich durchgehalten, auch wenn abgesehen von Franziska Wilhelm nicht viel Nennenswertes folgte. Weiterlesen

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