Könnt ihr euch schenken

Normalerweise ist diese Seite werbefrei. In eigener Angelegenheit mache ich aber mal eine Ausnahme. Ich habe nämlich einen wunderschönen Fotokalender mit Leipzig-Motiven produziert, von dem es noch Restexemplare gibt.

kalender_kassner

Hier gibt es noch eine Übersicht der Motive

13 Blatt A4, Ringbindung mit Aufhänger

Für 10 Euro (inkl. 7 % USt) plus 1,45 € Versand zu haben.

Nun sagt bitte nicht alle, ihr hättet schon sämtliche Weihnachtsgeschenke besorgt.

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Hart gelandet (Auszug aus der Autobiografie)

Der Einschlag war hart, doch ich hatte keine Verletzungen. Nach etwa zehn Minuten Ruhepause versuchte ich die Luke der Landekapsel an den Schraubverschlüssen zu öffnen, was misslang. Sicherlich würde das Bergungsteam bald da sein, ich aber wollte einfach nur raus. Schließlich bemerkte ich, dass die Schrauben sowieso durchgesägt waren und die Luke nur vom Gummiring eines Einweckglases gehalten wurde. Mein schweizer Taschenmesser hatten mir die russischen Bordingenieure aus Sicherheitsgründen schon vor dem Start abgenommen. Doch einen Fingernagelknipser hatten sie nicht als potenzielle Waffe identifizieren können. Damit durchzwickte ich den Gummi. Die Luke schnappte auf und ich bewegte mich auf die Öffnung zu, in der ich tiefblauen kasachischen Himmel sah. Doch ich hatte nicht beachtet, dass ein Ende des Gummis am Türhebel hängen geblieben war – und russische Einweckgläser sind für Jahrhunderte konzipiert. Das eiserne Rund schnellte zurück und mir auf den Schädel. Weiterlesen

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Einmischerin

In den Feuilletons hält das Gejammer an, dass „unsere Intellektuellen“ sich nicht mehr in gesellschaftliche Prozesse einmischen, so wie das früher angeblich üblich war. Mit den angeklagten Intellektuellen meinen die beschwerdeführenden Intellektuellen zumeist Schriftsteller. Zu den Ausnahmen, die offensichtlich nicht gemeint sein können, gehört Juli Zeh. Nicht zum ersten Mal erscheint nun eine Sammlung ihrer Aufsätze zu politischen Themen, von 2005 bis in die Gegenwart reichend.

Zwei Kernthemen, die sie miteinander zu verknüpfen versteht, sind die Demokratie und das Internet. Auf beiden Feldern wird ihr Erstberuf als Juristin spürbar, den sie vor der Schriftstellerei erlernt hat.

Gleich im ersten Text geht es um die Menschenrechte. Ähnlich wie bei den zehn Geboten meint jeder zu wissen, was drinsteht. Soll er sie aber zitieren, kommt er zu seiner eigenen Überraschung nicht über die ersten Artikel hinaus. Während manche Juristen ihr Expertenwissen nutzen, um Lücken und Widersprüche auszunutzen, verteidigt Juli Zeh nicht nur die Menschenrechte, sondern auch rechtsstaatliche und demokratische Prinzipien, ohne dabei blind zu sein vor den Mängeln und Verformungen der realen gesellschaftlichen Praxis.

Ob es um Fragen wie die (Un-)Zulässigkeit von Folter zur Aufklärung von Straftaten geht oder den Generalverdacht gegen Muslime bzw. Menschen, die nur aus muslimisch geprägten Ländern stammen – immer argumentiert sie so leidenschaftlich wie auch fachlich fundiert.

Nicht anders ist das bei ihrem zweiten großen Thema, dem Internet und dessen Freiheit. Sie hält Politikern vor, lange vor Angela-Merkels „Neuland“-Äußerung, auf die sie dann auch eingeht, das Internet lediglich zu nutzen, aber nicht mit ihm sachkundig umzugehen. Sie geht dann unter anderem mit Kollegen ins Gericht, die naiv die Profitinteressen der Großverlage verteidigen und dabei glauben, es sei im Interesse ihrer eigenen Urheberrechte.

Dass sich manches Motiv wiederholt, ist natürlich bei so einer Sammlung unabhängig entstandener und erstveröffentlichter Texte. Was aber auffällt, ist die zunehmende Routine des Schreibens im negativen Sinne. In den frühen Texten erfindet sie virtuelle Handelnde oder Gesprächspartner, um den Text lebendig zu gestalten. Dieses schriftstellerische Element schwindet zunehmend. Übrig bleiben professionelle, dabei aber zu „normale“ Texte. Schade.

Juli Zeh: “Nachts sind das Tiere”

Frankfurt a.M.: Schöffling 2014

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Besuch der alten Dame

Ein hoher Lehnstuhl steht mittig auf der Bühne. Auf einen Stock gestützt betritt sie die Szene. Marianne Faithful, 68. Aber in ein schickes schwarzes Kostüm gekleidet, auch die Musiker tragen Anzug. Nach zwei Songs aus ihrem frischen Album erklärt sie den Grund des nicht sonderlich dynamischen Auftritts. Sie hat sich vor vier Monaten den Hüftknochen zertrümmert, trägt jetzt eine Titanplatte.

Ist ja kein Beinbruch. Solange noch die Stimme da ist, die schon vor Jahrzehnten den entscheidenen Bruch erlangte, dank etlicher Stangen Zigaretten, viel Alkohol und anderen Stimulanzien. Dem unverbindlichen Geträller der Sechziger folgte dieses unverwechselbare Timbre. Und es ist noch da. Okay, nicht jeder Ton sitzt exakt auf der vorgehenen Notenlinie, auch verschleift sich manchmal das Tempo, sie arbeitet entschleunigend. Vor allem bei den berühmten Songs der Siebziger wie Broken Englisch oder Working Class Hero mit dem unnachgiebigen Drive von Bass und Schlagzeug wird das hörbar.

Was solls? Die hervorragenden Musiker fangen solche Abweichungen professionell auf, verarbeiten sie kreativ. Und Marianne thront im Spotlicht, lobt ihre Jungs süffisant und kriegt sich kaum ein vor Lachen, als sie versehentlich behauptet, sie sie nun seit 150 Jahren auf der Bühne. 50 ist aber auch schon viel. Und sie kann ohne irgend welche Show, ohne Luftballons und Tänzerinnen das überwiegend auch schon gereifte Publikum immer noch begeistern. Als Abschluss nach exakt anderhalb Stunden natürlich die unvermeidliche Ballad of Lucy Jordon. Da bleibt dann eigentlich gar nichts übrig für eine Zugabe. Diese bleibt konsequenterweise auch aus. Die Lady muss ins Bett. Hat sie sich redlich verdient.

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Kleinzschocher

Die Straße biegt nach rechts ab, mit ihr die Straßenbahnlinien 1 und 2. Geradeaus geht es in eine der formlosen Kleingartensparten. Links steigt die Rampe zu einer Fußgängerbrücke auf. Sie führt über die Gleise der Bahn. Es müssen mal deutlich mehr Gleise gewesen sein, Ausläufer des allmählich zugrünenden Güterbahnhofs Plagwitz. Von der Brücke sieht man abgestellte Waggons und Loks älteren Baujahres, eine Art Museum, aufgereiht auf einem toten Stück Strecke. Allgemein scheint dies eine gute Gegend für Enden zu sein. Endungen. Endigungen. Ein Doors-Song brummt im Kopf. Hinter der Brücke ein Friedhof mit den üblichen Serviceangeboten. Blumen und Grabsteine. Warum bietet kein niedergelassener Trauerredenschreiber seine Dienste an? Kein Geschäft für dunkle Mode? Klageweiber for rent? Umhäkelte Taschentücher? Ein Stückchen weiter ein Altersheim. Die Straßen sind merkwürdig leer in dieser so lebendigen Stadt. Sanierte Häuser, kein Verfall. Doch diese Stille. Zwei Reinigungskräfte in orangen Blaumännern picken Papier auf. Das heißt, einer pickt, der andere raucht. In der Nebenstraße repariert ein Trupp die Asphaltdecke. Ein DHL-Bote hat kein Glück. Keiner da. Zwei Polizeiautos entsteigen vier Uniformierte in kugelsicheren Westen, wollen in eine Wohnung. Keiner da. Komisch, alle Leute, die man sieht, sind irgendwie im Dienst. Aber wo sind die Bewohner, für die der Aufwand betrieben wird? Keiner da. Doch. Eine Frau mittleren Alters in schlabberiger Trainingshose schlurft einem kreiselnden Pudel hinterher. Der schrickt vor mir zurück, kommt dann doch ran, schnuppert. Er ist noch ganz jung, acht Wochen, hat vor allem Angst, gut dass er schnuppert, muss er lernen, ist ja noch ganz jung, acht Wochen, muss alles lernen, alles beschnuppern … Das Tier hat sich von mir abgewandt, hat nun die Nase an den Löchern eines Gullideckels. Der Gulli müffelt. Muss alles lernen … Ich konnte Pudel noch nie leiden.

kleinzschocher

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Füllhorn mit Löchern

Tradition – ein sumpfiges Gelände. In der Zeit der allumfassenden Fortschrittsgläubigkeit wurde sie gern den Superkonservativen, wenn nicht gar Reaktionären überlassen. Nun, in der Katerstimmung ist sie nicht so ganz einfach zurückzugewinnen. Zumindest in der Politik. Etwas anders mag das in der Literatur aussehen. Da galt die Erbepflege immer etwas mehr als sogar in der Bildenden Kunst, mit der am meisten der umstürzlerische Furor der modernistischen Modernen verknüpft wird. Weiterlesen

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Kostenlos ist nicht umsonst

Frau Sibylle zieht in SPON mal wieder vom Leder. So richtig wird mir bei ihr nie ganz klar, was sie eigentlich will. Mal lästert sie über den kapitalistischen Leistungsdruck, dann wieder über diejenigen, die Alternativen dazu entwerfen. Nur der Stil bleibt gleich: ausgelutschte Gemeinfloskeln durch forcierte Sprache aufpeppen.

Nun macht sie mit Sloterdijk und anderen Vordenkern des Neoliberalismus gemeinsame Sache und beschwert sich über die ihrer Meinung nach auf Geiz beruhende “Umsonstkultur” des Internet. Das funktioniert immer dann am besten, wenn man sich aus solch einem komplexen Gebilde wie dem Internet genau die Krumen rauspickt, welche die eigene These stützen, den großen Rest aber weglässt. Beherrschend sind für Frau Sibylle also die illegalen Downloads von Filmen, Musik, Büchern. Weil eben der Geiz regiert. Da kann man über solche Sachen wie Wikipedia, Open-Source-Software oder Croudfunding mal ganz leger hinwegsehen.

Möglicherweise hat Sibylle Berg aber auch noch nie etwas davon gehört. denn: Das Internet zu verstehen, mit all dem, was sich aus ihm noch entwickeln wird, ist ein wenig, wie das All zu begreifen. Wir sind zu blöd dafür. Diese unverhoffte Offenheit ähnelt etwas der Neuland-Aussage der Kanzlerin. Stimmt schon, das Internet in seiner Gänze zu verstehen und auch noch seine Zukunft zu prognostizieren, ist eine unlösbare Aufgabe. Aber auf der alten Masche der “Umsonstkultur” rumzureiten, die mit Diebstahl assoziiert wird, ist doch ein neoliberaler Verdummungsversuch. Ob sie selbst an den Shit glaubt? Als Zusammenfassung jedenfalls ruft sie den Lesern zu: Genießen Sie den kostenlosen Beitrag, und vergessen Sie nicht darauf hinzuweisen, dass man für so einen Mist ja wirklich kein Geld verlangen kann. Eigentlich darf man für den Mist wirklich kein Geld verlangen. tut sie aber. Denn der Artikel ist keinesfalls kostenlos. Spiegel zahlt ihr dafür Honorar. Im Unterschied zu den Millionen Enthusiasten, die tatsächlich das Netz kostenlosen Angeboten füttern. Viele davon sind auch noch nützlich. Im Unterschied zu Frau Sibylles Dünnpfiff.  Was diese Leute anbieten, ist wirklich kostenlos, was Frau Sibylle schreibt, ist umsonst.

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Starke Edit

Beim Aufschlagen der neuen edit lese ich zuerst den Namen Maruan Paschen. Der Junge hat mich mal gerettet. Leichtsinnig hatte ich zugesagt, beim ersten Chemnitzer Literaturwettbewerb für Jugendliche poet bewegt als Juror zu fungieren. Nach etwa dreißig Texten – nur ein Bruchteil des Stapels – wollte ich aufgeben. Dieses Emo-Geningele ging mir gewaltig auf den Sack. Und dann kam Paschen mit einem wunderbaren Text. Ich habe das Jurieren schließlich durchgehalten, auch wenn abgesehen von Franziska Wilhelm nicht viel Nennenswertes folgte. Weiterlesen

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Spätes Outing

Dass hier auf dieser Seite kaum noch Beiträge zur Bildkunst zu finden sind, hat Gründe. Eigentlich habe ich das neue Blog kunstszene-leipzig.de schon im Juli gestartet. Doch weil es wegen des Urlaubes zu einer Unterbrechung kommen musste, habe ich bisher noch gar keine Öffentlichkeitsarbeit dafür gestartet. Nun geht es aber los. Auch wenn an Layout und Inhalten noch rumzuschrauben ist, erkläre ich nach der Warmlaufphase nun das Blog pünktlich zum Herbstrundgang für offiziell eröffnet.

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Wehmütiger Rückblick

Dass der Urlaub zu kurz ist, muss wohl ein Naturgesetz sein. Falls es nicht Naturkatastrophen, Partnerschaftskrisen oder grottenschlechte Bewirtung gab. Das alles war bei uns nicht gegeben. Zwei Wochen in Bulgarien sind Geschichte. Scheeen war´s.

sofia

Die Heilige Sofia als Goldelse nahe der U-Bahn-Station Serdika, benannt nach dem vorchristlichen namen der Stadt.

Sofia als Stadt ist zwar nicht so super attraktiv, aber die Umgebung schon, angefangen mit dem Vitoscha-Gebirge. Und dann eben das nahe Rila-Gebirge, in der Ausdehnung nicht mit den Alpen vergleichvar, aber doch ein richtig zerklüftetes Hochgebirge.

Esoterisches Ritual im Sieben-Seen-Tal.

Esoterisches Ritual im Sieben-Seen-Tal.

Im nordbulgarischen Belogradschik beeindrucken die Felsen. So was wie die Sächsische Schweiz , nur in Rot. Und ganz in der Nähe die Magura-Höhle, die nicht allein wegen der Tropfsteinformationen interessant ist, sondern auch mit ihren steinzeitlichen Zeichnungen.

In den Felsen von Belogradschik.

In den Felsen von Belogradschik.

Plowdiw, zweitgrößte Stadt des Landes, hat eine Altstadt mit etlichen historischen Zeugnissen von griechisch-römischer Antike über Mittelater bis zur Zeit der Wiedergeburt.

Wie Rom auf einigen Hügeln erbaut - Plowdiv.

Wie Rom auf einigen Hügeln erbaut – Plowdiv.

Auf der Fahrt nach Griechenland machten wir dann noch einen Abstecher nach Melnik, interessant durch die Gebäude aus dem 19. Jahrhundert wie auch die Erdpyramiden.

Über den Dächern von Melnik.

Über den Dächern von Melnik.

Was zu meckern gibt es trotzdem. Dass die Bulgaren sich so gar nicht südländisch-temperamentvoll geben, mag ja Geschmackssache sein. Wenn dann aber auch Kellner oder Beschäftigte in Tourismus-Informationen einen mürrischen Ausdruck zur Schau tragen, entspricht das nicht gerade den Potentialen, die das Land mit den üppigen landschaftlichen Schönheiten eigentlich hat.

 

 

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