Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben – eine Diskussion über Kunstfreiheit im Zeitgeschichtlichen Forum

Der überraschendste Moment war, als Axel Krause sagte, dass in Deutschland die Kunstfreiheit nicht existenziell gefährdet sei. Warum er eigentlich an dieser Diskussion teilgenommen hat, obwohl er wiederum seinen Psychiater nicht mitbringen durfte, bleibt mir schleierhaft. Zumindest kann er nun nicht mehr behaupten, dass ja niemand mit ihm sprechen wolle. Und dieser offenbar selbst schwer gestörte Maaz kann nicht mehr von einem terroristischen Akt sprechen. Doch schon vorab betonte Krause, dass er ja die einzige regierungskritische Person auf dem Podium wäre, damit das rechtsradikale Klischee breittretend, dass alle Menschen Lemminge der Regierung seien, die nicht ebenfalls rechtsradikal denken und handeln. Weiterlesen

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Mit Rechten reden?

Als jener Journalist, „welcher sich selbst dem linken Spektrum zugeordnet sah“ möchte ich etwas ausführlicher als es für einen Facebook-Kommentar üblich ist auf den Artikel des Leipziger Kunstmalers Axel Krause eingehen, den er jetzt nach einem Jahr nochmals veröffentlicht hat.

Es stimmt, dass ich seine Frage nach dem Ursprung des Faschismus beim Besuch in seinem Atelier nicht verstanden hatte. Was er damit meint, wurde mir letztendlich erst vor einigen Monaten klar, als er einen bei einem Fußballländerspiel privat anwesenden Journalisten als „weinenden Faschisten“ bezeichnete, der seinen „inneren Totalitarismus“ noch nicht überwunden habe. Anlass war, dass hinter diesem Journalisten sogenannte Fans Spieler der deutschen Mannschaft, die keinen arischen Stammbaum haben, als Neger und Bimbos beschimpften. Laut Krause hat also jeder, der solche rassistischen Beschimpfungen nicht in Ordnung findet jemand, der seinen „inneren Nazi“ nicht überwunden. Offenbar auch Leute wie ich, die es nicht in Ordnung finden, wenn bei einer Legida-Demo eine anwesende Linken-Politikerin lautstark als Fotze beschimpft wird. Ich war bei der gleichen Demo als Journalist anwesend, bei der Krause als Teilnehmer sich auf der richtigen Seite empfunden habe, wie er mir bei unserem Gespräch erzählte. Weiterlesen

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Offener Brief an Kerstin Decker

Sehr geehrte Frau Decker,

wegen eines Kurzurlaubes kann ich erst jetzt auf Ihren Artikel reagieren. Um das Fazit vorwegzunehmen: Ich bin entsetzt! Bisher hielt ich den Tagesspiegel für ein liberales Medium. Doch offensichtlich will man Gaucks Forderung, sich nach rechts hin zu öffnen, nachkommen.

Schon der Teaser „Leipziger Bilderstreit“ ist falsch. Es geht nicht um Krauses Bilder, sondern seine politischen Äußerungen. Auch der erste Satz „Auf der diesjährigen Leipziger Jahresausstellung fehlen zwei Bilder.“ ist sachlich nicht korrekt. Es fehlen auch die Werke von drei Künstlerinnen und Künstlern, die ihre Arbeiten wegen Krauses Nominierung zurückgezogen haben.

Dann aber wird es neben Ihren handwerklichen Fehlern interessant: „Natürlich, er hatte über Facebook mitgeteilt, dass er die AfD „für ein begrüßenswertes Korrektiv im maroden Politikbetrieb“ halte. Aber seit wann zählt ein subjektives Statement zur Lage der Nation zu den ethischen Grundsätzen?“ Mit Krauses intensiv gepflegtem FB-Account haben Sie sich offenbar nicht persönlich beschäftigt. Dass er die Beschimpfung von deutschen Fußballern dunkler Hautfarbe als „Neger“ und „Bimbos“ befürwortet, ist Ihnen entgangen. Und die Verhöhnung von Opfern des NS-Regimes, wenn Krause sich als „entartet“ bezeichnet, ist für Sie eine Kleinigkeit. Auch dass er die gerade vor Gericht stehende Gruppe „Revolution Chemnitz“ verharmlost hat, wissen Sie nicht. Er ist eben nur ein „normaler“ AfD-Wähler. Stimmt schon. Genau so sind AfD-Wähler: rechtsradikal. Weiterlesen

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Aus meiner Leserpost

Sehr geehrter Herr Kassner,

als konservativer Künstler, der aus Angst vor linkem Vandalismus nicht in Hamburg-Ottensen ausstellt, obwohl ein linksliberaler Malerfreund von mir dies gerade in der mietbaren „Befürfnisanstalt“ gemacht hat, lese ich Artikel wie Ihren natürlich „gegen den Strich“, denn ich erlebe Gewalt und Unfreiheit genau spiegelverkehrt, nämlich von links kommend. Auf die allgegenwärtigen Gewaltaufrufe gegen Konservative auf jedem zweiten Laternenmast hier möchte ich gar nicht weiter eingehen. Gegen solche Informationen immunisiert sich das linke Lager ja mit dem
hämischen Hinweis, Andersdenkende würden sich „zu Opfern stilisieren“.

Ebenfalls gegen den Strich liest Herr Tichy die Toleranzsorgen linker Kulturherrschaft:

https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/aus-aller-welt/kunst-und-kultur-sind-links/

Wenn man nun versucht, Struktur in diese absurde Diskussion zu bringen, in der die Diskutanden sich wechselseitig einen identischen Vorwurf machen, dann hilft vielleicht die Idee der asymetrischen Auseinandersetzung.

Das linke Lager kämpft vorzugsweise mit Mobbing (gegen Tellkamp und Krause, um nur zwei Beispiele zu nennen) und Straßengewalt, die vom Staat finanziert werden (Förderprogramm gegen Rechts des Bundesfamilienministeriums und die Rote Flora, um nur zwei Beispiele zu nennen).

Das konservative Lager verlangt, die Finanzierung einer linken Kunstszene durch linksliberale Regierungen zurückzufahren, sowie staatlicherseits konservative Gegenstimmen zu fördern.

Das entspricht der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Frauenförderung, wenn man als Ziel annehmen würde, dass der Staat die Kunst so fördert, dass alle in der Gesellschaft vertretenen Meinungen darin angemessen vorkommen. Dann gäbe es zB 15% Kunstausstellungen von Konservativen, statt 100% linker Organisatoren. Die Begleitexte der aktuellen, linken Museumspädagogik ignoriere ich schon seit Jahren bewussst, wenn ich Ausstellungen zB in der Hamburger Kunsthalle oder dem Bucerius ansehe. Wenn es dem Staat dann auch noch gelänge, solche konservativ organisierten Ausstellungen gegen linken Vandalismus zu schützen, würde ich es sogar wagen, meine „Kinder“ (Originalwerke) der Öffentlichkeit auszusetzen.

Derzeit sehe ich mich als Nichtlinker leider im Untergrund eines illiberalen „demokratischen Rechtsstaates“.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Schrecker
Hamburg
(wo ich zum Schutz vor linker Gewalt nicht auf dem Klingelschild stehe, daher auch hier keine genaue Anschrift)

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Krauses Freiheit

Mittwoch, 13 Uhr. Ich gehe in die Werkschauhalle, um die nun doch noch ohne Vernissage eröffnete Leipziger Jahresausstellung anzusehen. Rainer Schade, der bisherige und immer noch amtierende Vorstandsvorsitzende, mit dem ich eigentlich per Du bin, gibt mir nicht die Hand, möchte auch nicht mit mir reden.

Offenbar gehöre ich zu den Schuldigen, die das Desaster um die diesjährige Jahresausstellung verursacht haben. Stimmt so nicht. Als ich zum ersten Mal hörte, dass Axel Krause zu den Auserwählten gehört, dachte ich mir: In meinem Bericht für die LVZ werde ich ihn einfach nicht erwähnen. Bei 36 Namen ist es legitim, nicht auf jeden einzugehen. Doch dann verzichtete Moritz Frei mit einem Offenen Brief auf seine Teilnahme. Andere Künstlerinnen und Künstler kündigten Proteste zur Vernissage an. Medienberichte folgten, auch Krause mobilisierte seine Fans. Klappe halten ging also nicht mehr. Ich forderte vom Verein, Stellung zu Krauses politischen Äußerungen zu beziehen. Und wenn man, so wie Schade stets betonte, Werke ausstelle, nicht Personen, könne man auch dafür sorgen, dass die Person Krause mit seiner Entourage da nicht erscheint. Weiterlesen

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Westwerk, mal wieder

Ich bin wütend. Am vergangenen Mittwoch war Voreröffnung des Konsum-Marktes im Westwerk. In der Nacht wurden da 52 Scheiben eingeschlagen. Am ersten Tag des offiziellen Betriebs bewarfen sogenannte Punks einen Kassierer mit Kartoffeln, waren aber wohl schon zu besoffen, ihn zu treffen. Das alles läuft unter dem Label „Kampf gegen die Gentrifizierung“. Offensichtlich wurden Fabrikarbeiter, die bisher in der Halle hausten, zwangsvertieben. Was für ein Schnulli.

Nach Ende der Produktion stand die heute als Westwerk bezeichnete Armaturen-Gießerei etwa zehn Jahre leer. Dann wurden mit diversen Nutzern, darunter Künstler, Mietverträge zu günstigen Konditionen abgeschlossen. 2017 begann die Sanierung, zeitgleich die Proteste gegen diese „Gentrifizierung“. Zur Erinnerung: Der Begriff bezeichnet die Verdrängung einer angestammten Bevölkerung aus einem Stadtgebiet, das „hip“ geworden ist. Im Westwerk gab es keine Stammmieter, die vertrieben wurden. Nur Zwischennnutzer, die selbst dazu beigetragen haben, die Umgebung „hip“ zu machen. Das soll kein Vorwurf sein, nur eine Feststellung. Weiterlesen

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Bloß nicht schweigen

Wortreich geht der Chemnitzer Journalist und Galerist Uwe Kreissig auf meinen Facebook-Post ein. Ich hatte ihn dazu beglückwünscht, direkt neben Marc Jongen, dem Thymos-Philosophen der AfD, in der Like-Liste zu einem Beitrag des Leipziger Malers Axel Krause zu erscheinen, der sich nebenberuflich vor allem als Propagandist dieser rechtsradikalen Partei hervortut.

Kreissigs Rhetorik ist geschickt, geht aber am Thema voll vorbei. Man dürfe doch auch noch Wagner hören, obwohl er Antisemit war. Und Marx lesen. Die sagenhaft unbedarfte Bemerkung aber, Marx habe den Klassenkampf erfunden, zeigt dann, dass Kreissig ihn garantiert nicht gelesen hat. Im Unterschied zu Houellebecq, der nach meiner Logik ja AfD-nah sein müsste. Tatsächlich wird der Autor gern von Rechten vereinnahmt, engagiert sich aber nicht selbst politisch. Im Unterschied zu Krause, der fast täglich irgendwelche AfD-Positionen verbreitet. Weiterlesen

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Heines Hacke

Da steht er, in Bronze gegossen. Mit bürgerlichem Mantel, aber eine Spitzhacke in der Hand, zwischen den Füßen ein Stück Schiene. Carl Seffner hat das Denkmal geschaffen, der über zwei Jahrzehnte meistbeschäftigte Bildhauer Leipzigs (Goethe, Bach, Kaiser Maximilian, Bürgermeister Koch und andere gehen auf sein Konto). Das Heine-Denkmal steht seit 2001 wieder am Ufer des Elsterflutbeckens. Zwischenzeitlich hat es gefehlt, da aus dem wertvollen Rohstoff Bronze Granaten zur Verteidigung der Heimat vor Stalingrad gebaut werden mussten. Zum ersten Mal konnte es 1896 eingeweiht werden. Da war Heine gerade erst acht Jahre tot.

Wer war der Mann, nach dem eine lange Straße, ein Park, ein Kanal und eine Brücke benannt wurden, und der so früh ein Denkmal bekam? Väterlicherseits mit einem Rittergut nahe Leipzig, mütterlicherseits mit Reichels Garten am Rand der Innenstadt ausgestattet, begann er 1854 dieses Erbe nicht zu pflegen, sondern umzurubeln. Dazu kam noch die Mitgift seiner Gattin Doris Trinius. Um da ran zu kommen, schrieb er ohne große Lust sogar seine Doktorarbeit der Rechtswissenschaften fertig, weil der Schwiegervater das forderte. 28 Seiten. Die Anforderungen an solche Gratifizierungen waren damals wohl etwas gemäßigter als heute. Substanziell ergiebig soll das Werk zum Wasserrecht trotzdem gewesen sein. Und sinnvoll für sein weiteres Wirken. Weiterlesen

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Ich nerve. Gern geschehn.

Was für ein dummer Artikel für eine Zeitung mit einem erarbeiteten Image als intellektuelles Blatt. “Atheisten nerven” nennt er sich. Ausgabe 47/2018, Seite 62. Autor ist Raoul Löbbert. Zunächst gesteht er ein, bei Partys mit unbekannten Gästen nicht gern zuzugeben, Journalist zu sein. Warum eigentlich? Verkehrt er vorwiegend in AfD-Kreisen? Ich habe jedenfalls kein Problem damit, mich als Journalisten zu bezeichnen, auch wenn ich den Beruf nicht erlernt habe. Bei ihm aber kommen die Bauchschmerzen dann wohl daher, dass er ergänzend sagen muss, über Themen wie Katholizismus und Kirche zu schreiben. Damit hätte ich auch ein Problem, nur hat er sich die Themen selbst ausgesucht. Weiterlesen

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Eingeständnis eines Scheiterns

Es ist schon vorgekommen, dass ich Aufträge für Artikel in der LVZ abgelehnt habe. Aus Zeitmangel oder, wenn gerade ein Nachruf auf eine wichtige Person nötig ist, ich dazu aber aus Wikipedia kopieren müsste.

Mit all zu großer Begeisterung bin ich am Dienstag nicht in die GfZK gegangen, um mir die Schau der diesjährigen Trägerin des Preises Europas Zukunft Alex Martinis Roe anzusehen. Mit reinen Video-Ausstellungen habe ich so meine Probleme. Doch im Pressetext war auch die Rede von besonderer Ausstellungsarchitektur und Musik. Mal sehen und hören. Weiterlesen

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