Völlig rücksichtslos

Mein Vorhaben, bis zum 20. März Nietzsches Also sprach Zarathustra zu lesen, ist kläglich gescheitert. Immerhin bin ich bis zum hübschen Zitat „Wer einen Stern gebären will, muss noch etwas Chaos in sich tragen“ gekommen. Das musste als Vorbereitung und Leitlinie für das gestrige Laibach-Konzert im Täubchenthal reichen. Zuvor hatte ich noch die Ehre, den Autor Alexander Pehlemann persönlich kennenzulernen.

Vor zwei Jahren habe ich sie zum ersten Mal im Haus Auensee gesehen und gehört. Damals war ihr Albung Spectre aktuell und ihre skurrile Nordkorea-Reise war gerade passiert. Spectre fand ich für die Maßstäbe der Band ungewöhnlich gefällig. Es Pop zu nennen wäre eine Übertreibung, aber es ist doch ziemlich viel an den Kanten gefeilt worden. Trotzdem war das Konzert mit seiner Wucht des Sounds überwältigend. Weiterlesen

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Denkbare Bewegungsrichtungen der Mundwinkel

Die Möglichkeitsform heißt in der Grammatik Konjunktiv, haben alle mal gelernt, die nicht ausgerechnet an diesem Schultag mit Darmgrippe im Bett lagen. Viele Möglichkeiten zu Lächeln verspricht Udo Tiffert im Titel seines neuen Gedichtbandes, welcher im Eigenverlag der Veröffentlichung ausgewählter Lyrik in der berühmten Serie „Poesiealbum“ folgt.

Welche Möglichkeiten des Lächelns fallen einem auf Anhieb ein – das seelige, verträumte, ungläubige, schüchterne, entspannte, ängstliche … Wenn man Udo Tiffert auf der Bühne erlebt hat, weiß man, dass eher das laute Lachen seine Sache ist. Beim Publikum zumindest, er behält bei seinen trockenen Pointen eher ein unbewegtes Gesicht, damit den Effekt noch verstärkend. Weiterlesen

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Weiter diskutieren?

„Naja, ich würde ja gern weiter diskutieren […]“ schreibt mir Christian W. Lech, nachdem er zuvor eine Anzeige gegen mich angedroht hat. Und dann „Die Verniedlichungen nehme ich in aller Form zurück. Das war wirklich Quatsch.“ Immerhin. Die Rücknahme nehme ich gern an. Über die Verdächtigungen, Kritik an israelischer Politik sei per se Legida-mäßig höre ich noch nichts. Schon in einer vorherigen Auseinandersetzung habe ich darauf hingewiesen, dass die rechtsradikale Website PI-News bis zum kürzlichen Relaunch im Kopf stehen hatte „proisraelisch“ und „proamerikanisch“. Das Klischee, dass heutige deutsche Rechte durchweg antisemitsch seien, stimmt nicht mehr. Für die echten Dumpfbacken der Freien Kameradschaften mag es noch zutreffen. Einige „Neue Rechte“ argumentieren heute aber so, dass Israel als einziges Land konsequent gegen den Islam(ismus) kämpfe, damit Verbündeter sei.

Weiter diskutieren? Klingt interessant. Worüber? Vorab muss ich sagen, dass ich  antiisraelische und antiamerikanische Demonstrationen ebenso kategorisch ablehne wie Boykottaufrufe für israelische Waren. Für mich wäre Grundlage einer Diskussion, darüber zu reden, welche Lösungsvorschläge es denn für die Zukunft der Palästinenser gibt. Weder von der israelischen noch der US-amerikanischen Regierung noch den deutschen krititikfernen Israel-Freunden ist dazu etwas Ernstzunehmendes zu hören. Das wäre aber ein Diskussionsgrundlage. Ich persönlich meine, dass nur noch eine Ein-Staaten-Lösung umsetzbar ist. Dann müsste Israel allerdings beweisen, wie demokratisch es wirklich ist. Denn die Möglichkeit einer nichtjüdischen Bevölkerungsmehrheit und damit einer Koaltionsregierung arabischer und jüdischer Parteien (hoffentlich auf beiden Seite liberale) ist nicht auszuschließen. Weiterlesen

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Warum ich Christian W. Lech jetzt „entfreunde“ – eine Grundsatzentscheidung

Schon vor einem Jahr schlug ich vor, den Begriff „entfreunden“ als Unwort des Jahres zu wählen. Erfolglos. Ich weiß nicht, seit wann Christian W. Lech mein „Freund“ auf Facebook ist. Ich kenne ihn persönlich überhaupt nicht, kann also die Anfrage nicht veranlasst haben. Habe dann wohl einfach auf auf Bestätigen gedrückt, weil eine ausreichende Anzahl meiner sogennannten FB-Freunde auch seine sind.

Seitdem gab es schon einige Male Zoff, weil Christian W. Lech sich als radikaler Antisemitenjäger erweist, auch unter dem Namen „Antideutsche“ bekannt. dass er wohl auch SPD-Anhänger oder gar Mitglied ist, spielt hingegen keine Rolle.

Nun muss ich zwischen zwei Sachverhalten unterscheiden. Erstens seine politische Haltung. Zweitens seine Art der Argumentation. Weiterlesen

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Ihr Kampf

Man kann ihnen zugute halten, dass sie sich offen dazu bekennen, Rechte zu sein, während Leute wie Elsässer oder manche Pegida-Anhänger ja immer noch davon faseln, weder links noch rechts zu stehen. Felix Menzel, Kopf des neurechten Journals Blaue Narzisse, hat fünf Mitstreiter zu einer vermutlich per Mailverkehr veranstalteten Strategiediskussion eingeladen.

Überraschend ist dann zunächst, dass die Debatte nicht damit beginnt, welches Ziel man hat, was erreicht werden soll, sondern: Wer ist der Feind? Unterschwellig wird aber schon im Vorwort angerissen, dass es um nichts anderes geht als die dauerhafte und vollständige Machtübernahme, wörtlich auch als Vernichtungssieg bezeichnet. Was dann zum unverzichtbaren Feindbild geäußert wird, ist weniger überraschend. Linke natürlich, und Ausländer. Weiterlesen

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Klappe halten

Das wird man doch mal sagen dürfen – spätestens seit Sarrazins Pamphlet dient die Berufung auf Meinungsfreiheit dafür, Dämme einzureißen, Hass und Hetze als legitime Meinungen auszugeben. Will man nicht dazu gehören, muss man sich immer öfter und immer intensiver überlegen, was man sagt und wie man es sagt. Denn von der anderen Seite werden permanent neue Tabus und neue Grenzlinien des Sagbaren postuliert. Vermintes Gebiet auf zwei Seiten, dazwischen ein schmaler Grat.

Ich habe auch schon persönlich Aufforderungen erhalten, zu schweigen. Wenn da ein mir persönlich nicht bekannter Bernd Krüger in meinem eigenen (!), nicht sonderlich stark frequentierten Blog kommentiert, ich soll es doch besser sein lassen, etwas zu schreiben, kann ich nur zurückholzen. Und auch wenn ein selbsternannter Kunstkritiker rumgackert, ich dürfe keine literarischen Texte veröffentlichen, kommt mir ein genüssliches Grinsen. Irgendwann werde ich eine Hymne auf ihn verfassen.

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Der Heilige Nagel zu Wien

Es soll nicht zur Manie werden, hier die Artikel des österreichischen Neo-Nazis Georg Immanuel Nagel zu zerpflücken. Dafür ist er wirklich zu unbedeutend. Doch sein bisher letzter Text in der Blauen Narzisse ist zu köstlich, um ihn einfach so vorbeirauschen zu lassen. Diesmal geht es um kein spezielles Thema wie die Legitimierung von Angriffskriegen oder die Brandmarkung von Fair Trade. Nein, Nagel hat diesmal das große Ganze im Blick. Und das ist mächtig gewaltig groß. Zeitenwende! Unter dem geht es nicht. Und im Untertitel: Der Geist der Alt-Right. Na ja, schon da könnte man einhaken. In diesem Kontext von Geist zu sprechen, ist durchaus gewagt. Zumal es wenige Zeilen weiter heißt: Ihr Ungeist wird restlos ausgemerzt werden. Damit sind die sogenannten 68er gemeint. Ich war damals zwar nur sieben Jahre, zähle mich aber freiwillig zu den Auszumerzenden.

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Ein Bild bleibt unvollendet

„Ich male!“ soll die Retrospektive zum Werk Arno Rinks heißen, die im nächsten Jahr im MdbK stattfinden wird. Sehr originell hört sich das nicht an. Doch vor dem Hintergrund der Biografie nicht allein Arno Rinks, sondern einer ganzen Leipziger Künstlergeneration klingt da ein gewisser Trotz heraus, die Titelwahl erscheint als Akt der Selbstbehauptung.

Arno Rink, Selbst, 1983, Öl auf Holz, 82,5 x 60 cm, Bildrechte: Galerie Schwind

Arno Rink, Selbst, 1983, Öl auf Holz, 82,5 x 60 cm, Bildrechte: Galerie Schwind

Als der aus einer thüringischen Kleinstadt und einem künstlerisch nicht sehr aufgeschlossenem Elternhaus stammende Rink 1962 im zweiten Anlauf einen Studienplatz an der Leipziger HGB bekam, war dies keinesfalls eine Malereischule. Einen eigenen Fachbereich gab es noch nicht, Malerei war der Grafik zugeordnet. Mit Horst Sakulowski war Rink in seinem Jahrgang einer von zwei Studenten. Doch mit Leuten wie Tübke, Mattheuer und Heisig, die gleich nach dem Studium zu Lehrern wurden, entwickelte sich eine stille Revolution. Deren Sprengkraft wurde bei der Bezirkskunstausstellung 1969 sichtbar. Kollegen aus der tradierten Metropole der Malerei Dresden schäumten. Später, mit zunehmendem Erfolg, gab es auch interne Querelen. So fühlte sich die dem späten 19. Jahrhundert an der Akademie etablierte Fotografie-Abteilung benachteiligt. Weiterlesen

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Verunsicherung

Gerade wird in den offiziellen Medien wie auch den sogenannten sozialen heftig über eine Fassadengestaltung an der Berliner Alice-Salomon-Hochschule gestritten. Dort ist das Gedicht Avenidas von Eugen Gomringer, einem anerkannten Webgberiter der Konkreten Poesie, aufgetragen. Dem Asta der Schule fehlt es offenbar an wirklichen gesellschaftlichen Themen, an denen man sich in dieser ach so ruhigen Zeit reiben könnte. Also fordert er eine Beseitigung des Gedichtes wegen angeblichem Sexismus. Weiterlesen

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Er ist wieder da

Was hab ich gelitten. Einen Monat hatte die Blaue Narzisse Sommerpause. Nun sind die Jungs wieder da. Was mich besonders freut: Georg Immanuel Nagel hat in gewohnter Produktivität innerhalb weniger Tage gleich zwei Mal seine Sülze abgeliefert.

Der erste Artikel nennt sich Importehen müssen verboten werden. Interessant ist schon mal, dass die Leute, die ständig Freiheit rufen, sich für alle möglichen Verbote stark machen. Immer mehr werden Eheschließungen zwischen Staatsbürgern und völlig Fremden zu einem Instrument des Bevölkerungsaustausches. Das muss endlich unterbunden werden. Darum eben müssen nicht-reinrassige Ehen endlich verboten werden. Es lebe der Arier-Paragraf! Mit einer Einschränkung: Zwischen den europäischen Brudervölkern dürfen Ehen erlaubt bleiben. Ob er auch Albaner, Bosnier oder Rumänen zu seinen Brüdern zählt, bleibt offen. Aber wer ganz von außerhalb Europas kommt, hat hier nichts zu suchen. Weiterlesen

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