Klappe halten

Das wird man doch mal sagen dürfen – spätestens seit Sarrazins Pamphlet dient die Berufung auf Meinungsfreiheit dafür, Dämme einzureißen, Hass und Hetze als legitime Meinungen auszugeben. Will man nicht dazu gehören, muss man sich immer öfter und immer intensiver überlegen, was man sagt und wie man es sagt. Denn von der anderen Seite werden permanent neue Tabus und neue Grenzlinien des Sagbaren postuliert. Vermintes Gebiet auf zwei Seiten, dazwischen ein schmaler Grat.

Ich habe auch schon persönlich Aufforderungen erhalten, zu schweigen. Wenn da ein mir persönlich nicht bekannter Bernd Krüger in meinem eigenen (!), nicht sonderlich stark frequentierten Blog kommentiert, ich soll es doch besser sein lassen, etwas zu schreiben, kann ich nur zurückholzen. Und auch wenn ein selbsternannter Kunstkritiker rumgackert, ich dürfe keine literarischen Texte veröffentlichen, kommt mir ein genüssliches Grinsen. Irgendwann werde ich eine Hymne auf ihn verfassen.

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Der Heilige Nagel zu Wien

Es soll nicht zur Manie werden, hier die Artikel des österreichischen Neo-Nazis Georg Immanuel Nagel zu zerpflücken. Dafür ist er wirklich zu unbedeutend. Doch sein bisher letzter Text in der Blauen Narzisse ist zu köstlich, um ihn einfach so vorbeirauschen zu lassen. Diesmal geht es um kein spezielles Thema wie die Legitimierung von Angriffskriegen oder die Brandmarkung von Fair Trade. Nein, Nagel hat diesmal das große Ganze im Blick. Und das ist mächtig gewaltig groß. Zeitenwende! Unter dem geht es nicht. Und im Untertitel: Der Geist der Alt-Right. Na ja, schon da könnte man einhaken. In diesem Kontext von Geist zu sprechen, ist durchaus gewagt. Zumal es wenige Zeilen weiter heißt: Ihr Ungeist wird restlos ausgemerzt werden. Damit sind die sogenannten 68er gemeint. Ich war damals zwar nur sieben Jahre, zähle mich aber freiwillig zu den Auszumerzenden.

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Ein Bild bleibt unvollendet

„Ich male!“ soll die Retrospektive zum Werk Arno Rinks heißen, die im nächsten Jahr im MdbK stattfinden wird. Sehr originell hört sich das nicht an. Doch vor dem Hintergrund der Biografie nicht allein Arno Rinks, sondern einer ganzen Leipziger Künstlergeneration klingt da ein gewisser Trotz heraus, die Titelwahl erscheint als Akt der Selbstbehauptung.

Arno Rink, Selbst, 1983, Öl auf Holz, 82,5 x 60 cm, Bildrechte: Galerie Schwind

Arno Rink, Selbst, 1983, Öl auf Holz, 82,5 x 60 cm, Bildrechte: Galerie Schwind

Als der aus einer thüringischen Kleinstadt und einem künstlerisch nicht sehr aufgeschlossenem Elternhaus stammende Rink 1962 im zweiten Anlauf einen Studienplatz an der Leipziger HGB bekam, war dies keinesfalls eine Malereischule. Einen eigenen Fachbereich gab es noch nicht, Malerei war der Grafik zugeordnet. Mit Horst Sakulowski war Rink in seinem Jahrgang einer von zwei Studenten. Doch mit Leuten wie Tübke, Mattheuer und Heisig, die gleich nach dem Studium zu Lehrern wurden, entwickelte sich eine stille Revolution. Deren Sprengkraft wurde bei der Bezirkskunstausstellung 1969 sichtbar. Kollegen aus der tradierten Metropole der Malerei Dresden schäumten. Später, mit zunehmendem Erfolg, gab es auch interne Querelen. So fühlte sich die dem späten 19. Jahrhundert an der Akademie etablierte Fotografie-Abteilung benachteiligt. Weiterlesen

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Verunsicherung

Gerade wird in den offiziellen Medien wie auch den sogenannten sozialen heftig über eine Fassadengestaltung an der Berliner Alice-Salomon-Hochschule gestritten. Dort ist das Gedicht Avenidas von Eugen Gomringer, einem anerkannten Webgberiter der Konkreten Poesie, aufgetragen. Dem Asta der Schule fehlt es offenbar an wirklichen gesellschaftlichen Themen, an denen man sich in dieser ach so ruhigen Zeit reiben könnte. Also fordert er eine Beseitigung des Gedichtes wegen angeblichem Sexismus. Weiterlesen

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Er ist wieder da

Was hab ich gelitten. Einen Monat hatte die Blaue Narzisse Sommerpause. Nun sind die Jungs wieder da. Was mich besonders freut: Georg Immanuel Nagel hat in gewohnter Produktivität innerhalb weniger Tage gleich zwei Mal seine Sülze abgeliefert.

Der erste Artikel nennt sich Importehen müssen verboten werden. Interessant ist schon mal, dass die Leute, die ständig Freiheit rufen, sich für alle möglichen Verbote stark machen. Immer mehr werden Eheschließungen zwischen Staatsbürgern und völlig Fremden zu einem Instrument des Bevölkerungsaustausches. Das muss endlich unterbunden werden. Darum eben müssen nicht-reinrassige Ehen endlich verboten werden. Es lebe der Arier-Paragraf! Mit einer Einschränkung: Zwischen den europäischen Brudervölkern dürfen Ehen erlaubt bleiben. Ob er auch Albaner, Bosnier oder Rumänen zu seinen Brüdern zählt, bleibt offen. Aber wer ganz von außerhalb Europas kommt, hat hier nichts zu suchen. Weiterlesen

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(K)ein Neustart

Es gehe um Weiterentwicklung, nicht um einen Neuanfang, sagt Alfred Weidinger, seit 1. August Direktor des Museums der bildenden Künste Leipzig. Was er dann aber aufzählt an Vorhaben, klingt doch ziemlich nach Reset-Taste.

Das geht schon los mit der Raumstruktur der Glaskiste. So viel ungenutzter Raum, der nach einer Bespielung ruft. Da dieser Raum sich hauptsächlich vertikal erstreckt, werden es wohl keine Gemälde, Grafiken und Bronzeplastiken sein, die da aufgehängt werden. Carsten Höller oder Ai Weiwei stehen ohnehin nicht für solche traditionellen Medien. Schillernde Namen der aktuellen Kunstszene ins Haus zu holen ist die eine Seite des Konzeptes. In der Hoffnung, damit die Einnahmen zu steigern, soll auf der anderen Seite der Nachwuchs gefördert werden, speziell der lokale. „Connect Leipzig“ nennt sich eines der Projekte. Mal dahingestellt, warum es unbedingt ein Anglizismus sein muss, ist es durchaus zu begrüßen, das Museum mehr mit der Stadt zu verknüpfen. Und mit ihren Künstlern, von denen es in Leipzig, so Weidinger, mehr als sonst irgendwo gäbe. Jeden Monat wird ab kommenden Januar Eine (Frauenquote 50 % plus) oder Einer einen Raum ganz nach eigenem Gutdünken nutzen können. Sogar ein separater Eingang sei machbar, wenn gewünscht. Die Altersgrenze von 30 Jahren erscheint aber ziemlich tief angesetzt zu sein. Da sind viele noch gar nicht mit dem Studium fertig. Weiterlesen

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Ist ja extrem!

Ich bin in einer Schleife gefangen. Nur ist die gegenwärtige Drehung viel heftiger als die vorige. Vor anderthalb Jahren habe ich auf einen Artikel des Sprachlos-Blog reagiert, der sich auf die Krawalle vom 12. Dezember 2015 in der Leipziger Südvorstadt bezieht. Dort distanziert man sich nur oberflächlich von der Gewaltorgie, stattdessen werden sowohl die Medien als auch die im Bio-Laden einkaufende Bürgerin gebrandmarkt, weil sie das Wort Extremismus in den Mund nehmen. Jeder, der das tut, hänge wohl Eckard Jesses Hufeisentheorie an, welche die eigentliche Gefährdung der Demokratie sei. Gerade habe ich mir beide Artikel, den im Sprachlos-Blog wie auch meinen eigenen, nochmals durchgelesen. Korrigieren muss ich mich nicht, nur ergänzen.
Nach dem G20-Weekend in Hamburg bleibt der Sprachlos-Blog seltsam sprachlos, obwohl doch viel zu analysieren wäre. Also fragte ich auf FB einen der Admins an, wo denn die Rechtfertigung für die Ausschreitungen bleibt samt Kennzeichnung der Kritiker als Jesse-Jünger. Von Verleumdung und unterster Schublade ist in seiner Reaktion per PN die Rede. Ich solle nicht auf die Nachricht antworten. “Schau” heißt es dann zum Abschluss. Mal schaun. Weiterlesen

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Aufklärung über Aufklärungen

Die Pluralbildung macht neugierig. Aufklärungen. Gab es denn nicht diese eine, einzigartige, weltverändernde Aufklärung?
Wege in die Moderne heißt der Untertitel des Reclam-Heftchens von Dan Diner. Er ist Israeli und war von 1999 bis 2014 Direktor des Simon-Dubnow-Instituts an der Uni Leipzig. Das sympathische an dem Büchlein ist, dass Diner zwar einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Aufklärung und Moderne herstellt, aber im Unterschied zu vielen anderen Autoren weit ausholt und die Voraussetzungen für diese Entwicklungen im Zeitraum vom 13. bis 15. Jahrhundert vermutet. Außerdem sucht er nach Gründen auch im materiellen Bereich, nicht allein in der geistigen Sphäre. Besonders den Buchdruck sieht er als eine zwingende Voraussetzung für die Aufklärung und die für ihn damit unmittelbar verbundene Moderne an, aber auch die Entdeckungsreisen des 15. und 16. Jahrhunderts. Diese Schübe lösten endgültig eine Entwicklung aus, die in ihrer schier grenzenlosen Dynamik von anderen Kulturen über eine lange Dauer nicht einholbar war.

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Klageweiber

Im Lokalteil der LVZ gab es gestern einen großen Artikel von Angelika Raulien zur Ausstellung, welche die Leipziger Gedok-Gruppe der Internationalistin Elsa Brändström widmet. Der größere Teil des ziemlich umfangreichen Textes widmet sich aber nicht dem eigentlichen Projekt, sondern dem Fakt, dass angeblich das Kulturamt keine Förderung gewährt habe. Zunächst: Der Brief mit der Anlehnung des Antrages mag zwar vom Kulturamt gekommen sein, doch sollten die Künstlerinnen und Kuratorinnen zumindest wissen, dass der Kulturausschuss des Stadtrates die Beschlüsse fasst. Diesem vorgeschaltet ist ein beratender Ausschuss, dem ich in den letzten beiden Jahren angehörte. Ich habe die Unterlagen nicht aufgehoben, kann mich aber erinnern, dass ich dem Gedok-Antrag auch skeptisch gegenüberstand. Aus formalen Gründen. Unter anderem weil der Ausstellungsteil in Bonn die meisten Kosten verursacht, aber die Stadt Bonn oder NRW überhaupt nichts beitragen sollen.
Im Artikel wird das nun aber so gedreht, dass man „in der Amtsstube“ eben Kunst von Frauen nicht fördern wolle. So ein Quatsch. Dem empfehlenden Beirat gehörten übrigens mehr Frauen als Männer an. Hier wird nun aber kein Klischee ausgelassen. Generell seinen Frauen eben im Kunstbetrieb unterrepräsentiert und würden weniger verdienen (stimmt teilweise), würden bei Preisvergaben kaum berücksichtigt. Und wenn doch, dann fiele das Preisgeld angeblich um ein Drittel geringer aus. Das ist nun eine abenteuerliche Behauptung.
Vielleicht ist so ein geschlechtsspezifisch orientierter Verein generell überflüssig geworden? Mir ist jedenfalls kein Leipziger Kunstverein bekannt, der ausschließlich Männer aufnimmt. Frauen sind überall erwünscht und präsent. Und dort können sie sicherlich auch mehr für eine Gleichstellung erreichen. Außerdem sollten sich die Gedok-Frauen besser mit den Förderrichtlinien und -mechanismen beschäftigen, statt sich in der Opferrolle einzurichten.

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Ein Ranking

Der blaue Obernarzisst Felix Menzel hat in seinem Online-Journal vor paar Wochen die Serie Aus dem Tal der Ahnungslosen begonnen, um plumpe Sprüche aus dem Abreißkalender der Reaktionären zu verbreiten und sich bei diesem Anlass über seine politischen Gegner zu mokieren. Langsam scheint ihm der Stoff auszugehen. In der bislang letzten Folge schreibt er über die Die dümmsten Linken der Welt. Auf Platz 3 stehen dabei Anhänger von Öko-Sex gemäß eines Artikels der Huffington Post. Nun ja, intelligent erscheint das nicht. Aber was hat so eine esoterische Marotte mit Linken zu tun? Obwohl Menzels Kumpan Kubitschek nur Möhren von Beeten verspeist, auf die er selbst gekackt hat, ist wohl für Menzel das Stichwort Öko automatisch mit links verknüpft.

Beim Erstplatzierten Andreas Speit muss ich Menzel ausnahmsweise recht geben. Dass Andreas Speit das Buch Finis Germaniae in die Bestsellerlisten lanciert hat, ist wirklich bescheuert. Aber auch hier die Frage: Inwiefern ist Speit ein Linker? Das passt ausschließlich zur Logik der Rechtsradikalen, dass alle nicht zu ihnen Gehörenden inklusive CDU/CSU und FDP eben Linke sind.

Schwieriger wird es beim zweiten Platz. Er geht an die Freunde des bedingungslosen Grundeinkommens, z.B. an die Linken-Vorsitzende Katja Kipping, die den „Zwang zur Arbeit“ auf Twitter anprangert. Dass das BGE auch von Leuten befürwortet wird, die keinesfalls im Verdacht stehen, links zu sein (außer in oben genannter Definition der Rechtsradikalen), hat Menzel wohl noch nicht gemerkt. Pikant ist aber, dass er sich selbst als Wachstumskritiker definiert. Dass eben jener Zwang zur Arbeit genau ein Grundpfeiler der idiotischen Überproduktion infolge des Wachstumsfetisches ist, kann er nicht realisieren. Darin zeigt sich wieder einmal, dass Kapitalismuskritik trotz mancher Floskeln nicht Sache der Rechten ist, da sie Kapitalismus auf die Entgleisungen der Finanzmärkte reduzieren, ohne das eigentliche Wesen dieser Wirtschaftsform zu begreifen.

Deswegen würde ich nun Felix Menzel nicht gleich zu den dümmsten Rechten der Welt zählen. Abgesehen von den Tausenden Dumpfbacken, die Pegida und AfD hinterherlaufen, gibt es auch in seinem eigentlichen Stall, den sich elitär wähnenden sogenannten Neuen Rechten, etliche Leute, denen ganz offensichtlich weit mehr an Intellekt mangelt. Einer davon ist Jürgen Elsässer. Früher dachte ich mal, dass es bei Compact so sei wie bei der Bild-Zeitung: Die Leser sind zwar Primitivlinge, die Macher aber zynische Intellektuelle, denen die Verarschung Spaß bereitet. Im Fall Elsässer ist das wohl anders. Er ist selbst geistig unterbelichtet. Sein vertiefter Antiamerikanismus war es wohl einst, der ihn von Linksaußen ohne Umwege nach Rechtsaußen getrieben hat. Seine Äußerungen zu Trump und Amerika der letzten Wochen aber strotzen nur so vor ungewollter Ironie. Hat er sich zunächst über den Wahlerfolg des rechten Vollpfostens gefreut, kam mit dem Raketenangriff auf Syrien der Sündenfall. Nur kurz danach schrieb er einen offenen Brief an Kamerad Trump, bot ihm wieder die unverbrüchliche Freundschaft an. Tage später verkündet er den Widerstand gegen den US-Imperialismus (Trump hat wohl abgelehnt, mit ihm in die Kiste zu hüpfen). Nach der jüngsten Wahlschlappe der Demokraten freut er sich erneut für seinen transatlantischen Mitstreiter im (Un-)geiste. Stupid! Weiterlesen

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