Schwarzbuntes Milchvieh

Dass die Besucher des WGT durchweg in Schwarz gewandet sind, können nur Leute glauben, die noch nie wenigstens als Beobachter da waren. Eine besonders eigenwillige Stil-Fusion habe ich gestern aber bei einem vor unserem Haus geparkten Auto gesehen. Zwei schwarze Rosen als Zeichen der Szene-Zugehörigkeit, wunderbar drapiert auf einer Fußmatte mit Rindvieh-Clipart. Der Autonummer nach kommen die Gäste aus dem Muldental. Die Milch der frommen Denkungsart wird auf diesem Hof offenbar nicht gemolken.

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Nachtflug nach Tbilissi

Es regnet in Strömen bei der Abfahrt von Leipzig nach Berlin, auch auf der Autobahn wird es nicht besser. Noch viel finsterer ist aber die Prüfung der Flugtickets auf halber Strecke – nur eines von zweien ist da. Zum Umkehren reicht die Zeit nicht. Ein Anruf bei Air Baltic. Ja, für 75 Euro bekomme ich einen Ersatzschein am Flughafen ausgestellt. Die Maschine hebt in Tegel mit einer halben Stunde Verspätung ab. Nicht wegen mir. Da wir in Riga aber nur 40 Minuten zum Umsteigen haben, könnte es knapp werden. Weiterlesen

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Contra Pro

Eigentlich habe ich ja an dieser Stelle schon mal verkündet, mich nicht mehr weiter über Chemnitz aufregen zu wollen. Da aber Nazis kein exklusives Problem dieser Stadt sind, hier die Vorveröffentlichung einer Anzeige, welche „Pro Chemnitz.DSU“ auf Korn nimmt, die neue Wählervereinigung des allzu bekannten Martin Kohlmann:

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KLP 8 (und Schluss!)

Geschafft. Das dunkelrote Bändchen darf außerhalb des fetten Buches rumhängen. Ich habe tatsächlich die 1596 Seiten von Thomas Pynchons „Gegen den Tag“ hinter mir. Wäre ich nicht so unvorsichtig gewesen, in diesem Blog (halb-)öffentlich und vollmundig zu verkünden, fortlaufende Berichte über diese Lektüre zu geben, wäre viel früher Schluss gewesen. Per Interruptus. Weiterlesen

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Ich war´s nicht

Ich bedaure zwar sehr, dass die Idee für die schöne Website mit dem bezeichnenden Namen Chemnitz zieht weg nicht von mir stammt. Ich bin da aber wirklich unschuldig. Schönes Ding! Nur ein Impressum würde ich mir noch wünschen.

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Die wollen doch nur spielen

Mein erster Theaterbesuch seit einiger Zeit am gestrigen Abend war mit mehreren Überraschungen verbunden. Entgegen den so häufig zu hörenden Behauptungen, das Centraltheater leide unter einer katastrophal geringen Auslastung, war der Saal voll fast bis auf den letzten Platz. An einem Montag. Und es war ein bunt gemischtes Publikum vom Teenager bis zum traditionellen Theatergänger der alten Schule. Weiterlesen

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Letzte Runde Karussell

Bisher glaubte ich, es sei der Tiefpunkt in der Karriere alternder Schlager- und Pop-Sternchen, bei der Eröffnung von Baumärkten und Gebrauchtwagenhandlungen singen zu dürfen. Doch heute sah ich ein Plakat für eine Wahlkampfveranstaltung der FDP in Leipzig, zu der die Euro-Blondine Koch-Merin, Guido Dauerwelle und Genschman auflaufen. Und die Gruppe Karussell. Vor fünfundzwanzig Jahren fand ich die mal richtig gut, manche Songs halte ich sogar heute noch für geeignet, am Lagerfeuer auf der Wanderklampfe intoniert zu werden. Aber zu einer Wahlsause der sogenannten Liberalen? Vielleicht spielen sie „Ehrlich will ich bleiben“, ohne dazu zu sagen, dass der Text von Kurt Demmler stammt, der sich vor einigen Wochen in Untersuchungshaft erhängt hat.

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Gesund (?) geschrumpft

Nun habe ich endlich mal das neue örtliche Telefonbuch bei der Post abgeholt. Die Überraschung kam, als ich zu Hause dann das bisherige Exemplar entsorgen wollte. Das ist fast doppelt so dick wie das aktuelle! Was ist da los? Dafür bin ich doch nicht nach Leipzig gezogen! Eine Konstante ist allerdings, dass auf dem Buchrücken ein Bestattungshaus Werbung macht. Wie tröstlich.

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Sehr nett

Bei einer kürzlich erfolgten familiären Feierlichkeit lag eine CD auf dem Gabentisch, auf der „yusuf roadsinger“ steht. Es hat sich ja schon rumgesprochen, dass der in den Siebzigern unter dem Namen Cat Stevens ausgesprochen erfolgreiche Steven Demetre Georgiou seit vielen Jahren unter Yusuf Islam firmiert und als solcher auch schon eine Comeback-Scheibe veröffentlicht hat. Für die zweite seiner neuen privaten Zeitrechnung hat er den in Mitteleuropa und Nordamerika gerade nicht sehr werbeträchtigen Nachnamen wieder abgelegt. Weiterlesen

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Kompensation versprühen

Unter der Schlagzeile Graffiti-Tiger brüllt im Stasi-Keller schreibt die LVZ heute über eine Aktion, bei der 20 Jugendliche im Hof der „Runden Ecke“, also der früheren Leipziger Stasi-Zentrale, auf genormte Tafeln sprayen durften. Demokratie versprühen nennt sich das Ganze. Das Thema ist also auch vorgeschrieben. Dem beigefügten Foto nach ist die Demokratie offenbar etwas ziemlich Amorphes, Verschwommenes. Das kommt hin. Auch dem ersten Satz des Artikels kann ich zustimmen: Das wäre der Stasi zu bunt geworden. Richtig, in der DDR wurde das Graffiti-Problem auf brachiale Weise gelöst, indem es keine Farbspraydosen zu kaufen gab.

Alles Weitere ist die blanke Farce. Während jede Street Art immer stärker kriminalisiert wird, sollen ein paar Vorzeige-Kids die Toleranzfähigkeit des Staates illustrieren. Mussten die vorher ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, oder ist das in Zeiten der flächendeckenden Videoüberwachung und Vorratsdatenspeicherung gar nicht mehr nötig? Ich hoffe nur, dass diese Typen sich den respect ihrer Crews dauerhaft verspielt haben.

Nun weiß ich aber zumindest, was der dem designierten Leipziger Kulturbürgermeister zugeschriebene Spruch, die Freie Szene sei ein Kompensationsraum für Problemgruppen, eventuell bedeuten könnte. Blöd nur, dass die veranstaltende Birthler-Behörde (noch) nicht zur Freien Szene gehört.

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