Des Zentralgestirns Wirkmächtigkeit

Manchmal schaffen es auch sogenannte Selbstständige, an einem regulären Sonntag einfach so auf der Wiese zu liegen. In unserem Falle das Neue Rathaus der Heldenstadt im Blickfeld, trotzdem ziemlich ruhig, abgesehen von schimpfenden Raben, die auf Restbestände vom Grillgut warten. So rumhängend denke ich Sonne tanken oder Batterien aufladen und schon ist es vorbei mit der seelischen Ruhe. Wie sind wir (oder ich, um niemand in Sippenhaft zu nehmen) doch in der Technikabhängigkeit gesunken, wenn einem nur solche Metaphern einfallen. Was haben gestresst-prekäre Intellektuelle vor Erfindung von Eisenbahn, Glühbirne, Ottomotor in solchen Fällen gedacht? Da muss ich mal Andreas Eichler fragen, derzeitiger Vorsitzender des Sächsischen Schriftstellervereins. Ihn kenne ich zwar seit zwanzig Jahren recht gut, aber etwas verdutzt habe ich vor einem Jahr trotzdem geguckt, als er bei einer Podiumsdiskussion auf meine Frage, welche Bücher der letzten Jahre ihn beeindruckt hätten, antwortete: „Ich lese keine Gegenwartsliteratur, nur 18. Jahrhundert.“ So geht es auch, da hat man immer ein Herder-Zitat zur Hand, sogar zum Ozon-Loch. Dann verwundert es auch nicht, dass ich in diesem unwichtigen Posting keinen Link zum Sächsischen Schriftstellerverein setzen konnte. Der hat naturgemäß keine Internetseite.

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Hirnspülung

In den letzten Wochen und Monaten habe ich – manche Beiträge des Blogs spiegeln es wieder – ziemlich viel Zeit und Nerven investiert, um für Chemnitz den kleinen Hoffnungsfunken Experimentelles Karree am Leben zu erhalten. Das ist nun erledigt. Weiterlesen

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Reisen bildet

Da lebe ich nun schon als mehr drei Jahren in Leipzig und kriege erst jetzt mit, dass an jeder Straßenbahn ein Häppchen Heimatkunde dransteht – Stadtteile oder auch Promis, die nicht mehr unter uns weilen. Einen Tag an der Zentralhaltestelle zu sitzen, erspart also den Kauf des ziemlich teuren Leipzig-Lexikons. Das ist doch mal eine Maßnahme kultureller Bildung ohne soziale Schranken!

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Sonntag in den Leipziger Bergen

Zwar konnten wir auch in diesem Jahr nicht am Prix de tacot, bekannter als Nato-Seifenkistenrennen auf dem Fockeberg, aktiv teilnehmen, da sich unser Technischer Direktor nach Kairo abgesetzt hat. Schön wars trotzdem, nicht nur wegen des Sonnenscheins. Nun müssen wir zusehen, wo wir für nächstes Jahr begabte Mechaniker herkriegen, die unsere Kiste zusammenbauen. Hier nur ein paar Bilder von den rund 150, die ich gemacht habe. Weiterlesen

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Die Fratze der Anarchie …

… wurde gestern deutlich sichtbar beim „Experimentellen Bürgersteig“ in Chemnitz. Da wurden Weiterlesen

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Freidrehende Liberale

In Zeiten des Wahlkampfes erklimmt die Kreativität Lichtmasten und Absperrgitter. Aus dem Einheitsbrei der Plakate mit Kandidatengesichtern und sinnigen Sprüchen wie Besser für Leipzig oder Zusammen für Leipzig heben sich die Werbeposter der FDP ab. Außer dass man dem Wahnsinn der autogerechten Stadt mit dem Slogan Parkplätze statt Knöllchen huldigt, steht da auch Mittelstand statt VEB. Das VEB ist dabei zaghaft durchgestrichen. Zunächst ist klar, dass die Freiheitlichen nicht auf eine junge Wählerschaft abzielen. Denen müsste man die Abkürzung ja erst einmal erklären. Aber auch altgediente Anhänger und Funktionäre der LDPD FDP müssten doch langsam mitgekriegt haben, dass da vor fast zwei Jahrzehnten eine Institution mit dem schönen Namen Treuhand (von manchen Beobachtern in die Rubrik Staatskriminalität eingeordnet) sehr nachhaltig die sogenannten Volkseigenen Betriebe verhökert hat, sicherlich auch zum Vorteil vieler FDPler. Nun hat aber vor kurzem tatsächlich eine Gegenbewegung eingesetzt. Plötzlich werden von New York bis Rüsselsheim Banken und Großkonzerne verstaatlicht, also in Volkeigentum überführt (zumindest bis zu erfolgreichen Sanierung seitens des Volkes). Nicht etwa von Kommunisten, Anarchisten oder abweichlerischen Sozis. Nee, von ganz soliden Stockkonservativen. Will die FDP nun mit dem Plakat sagen, dass sie sich gegen die neuerdings ziemlich enteignungsfreudige CDU stellt? Dem widersprechen bekannt gewordene Koalitionswünsche. Das Plakat übersteigt eindeutig meinen intellektuellen Horizont. Macht nichts. In die Versuchung, FDP zu wählen, bin ich ohnehin noch nie gekommen.

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Kontrastprogramm

Am Dienstag und Mittwoch war ich bei zwei Teilen der von der grünen Landtagsfraktion veranstalteten Konferenzreihe „Kreative Stadt“. Die Unterschiede waren gewaltig. Während in Leipzig beispielsweise darüber diskutiert wurde, wie das Erfolgsmodell Designers Open zu einer stetigen Unterstützung der Kreativwirtschaft beitragen kann, ging es in Chemnitz darum, ob der Titel Kreative Stadt überhaupt noch zutrifft. Von einer Nekropole war die Rede, und Galerist Uwe Kreißig meinte, dass die freie Kunstszene in Chemnitz klinisch tot sei. Herzliches Beileid.

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Knochensamer

Sind Naturwissenschaftler wirklich so trockene, stets nur rational denkende Leute, wie man sie sich klischeebelastet vorstellt? Oder haben manche auch Lachfalten hinter den Ohren? Möglich. Als ich auf das kleine Schildchen unserer neuen Balkonblume – so was wie Margariten mit ungewöhnlichem Blaustich – schaute, wurde ich wegen des lateinischen Namens der Pflanze stutzig: Osteospermum. Wer sich so eine Bezeichnung ausdenkt, muss doch wohl ein bisschen schlitzohrig sein. Oder versteh ich da wieder etwas falsch?

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Nüscht wie wech

Im Fernsehn boomen Auswanderer-Soaps wie Goodbye Deutschland. Der Stadtstreicher, das älteste Chemnitzer Stadtmagazin, springt auf diesen Zug auf und stellt mehr oder weniger kreative Leute vor, welche die Stadt verlassen haben. Ich selbst hatte vor reichlich einem halben Jahr die Ehre, das erste derartige Interview geben zu dürfen. Mario Forberg, Chef der Musikkeipe Subway to Peter, ist Gast im aktuellen Heft. Er drückt es besonders drastisch aus: Aber machen wir uns nichts vor, aus der Idee vom lebendigen Szene-Viertel ist nie was geworden – und heute sind wir davon so weit entfernt wie nie. (…) In Chemnitz lerne ich kaum neue Leute kennen, Touristen kommen nicht, und die Studenten, mgen sie auch international sein, kriegt man auch nicht zu Gesicht. Es mag nun etwas merkwürdig sein, dass ein Stadtjournal derartige Antiwerbung für den eigenen Standort veröffentlicht, aber recht hat Mario auf jeden Fall. Und damit das so bleibt, wird eben gerade mit dem Experimentellen Karree der nächste Versuch, etwas Leben in die Bude zu bringen, plattgewalzt. Siehe unten.

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Bas des Reliefs

Wenns hoch kommt

sinds nicht so viele

die unten bleiben.

Innere Fronten

härten aus zu Klischees.

Erhaben ist nichts als

de Gnubbln noach obm

wie etwa

– Blutwurstbatzen auf Knäckebrotscheiben

– Pockenpusteln auf Jungfernbrüsten

– Hustenauswurf auf Half Pipes im Regen

oder auch

– autoerektives Tun in Rückenlage

– standing ovations in Leichenhallen

– Aufrichtigkeit am Tresen halb zwei

ichhaben, duhaben,

wirhaben, siehaben,

erhaben

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