Die Fratze der Anarchie …

… wurde gestern deutlich sichtbar beim „Experimentellen Bürgersteig“ in Chemnitz. Da wurden Weiterlesen →

Veröffentlicht unter chemnitz, politik | 1 Kommentar

Freidrehende Liberale

In Zeiten des Wahlkampfes erklimmt die Kreativität Lichtmasten und Absperrgitter. Aus dem Einheitsbrei der Plakate mit Kandidatengesichtern und sinnigen Sprüchen wie Besser für Leipzig oder Zusammen für Leipzig heben sich die Werbeposter der FDP ab. Außer dass man dem Wahnsinn der autogerechten Stadt mit dem Slogan Parkplätze statt Knöllchen huldigt, steht da auch Mittelstand statt VEB. Das VEB ist dabei zaghaft durchgestrichen. Zunächst ist klar, dass die Freiheitlichen nicht auf eine junge Wählerschaft abzielen. Denen müsste man die Abkürzung ja erst einmal erklären. Aber auch altgediente Anhänger und Funktionäre der LDPD FDP müssten doch langsam mitgekriegt haben, dass da vor fast zwei Jahrzehnten eine Institution mit dem schönen Namen Treuhand (von manchen Beobachtern in die Rubrik Staatskriminalität eingeordnet) sehr nachhaltig die sogenannten Volkseigenen Betriebe verhökert hat, sicherlich auch zum Vorteil vieler FDPler. Nun hat aber vor kurzem tatsächlich eine Gegenbewegung eingesetzt. Plötzlich werden von New York bis Rüsselsheim Banken und Großkonzerne verstaatlicht, also in Volkeigentum überführt (zumindest bis zu erfolgreichen Sanierung seitens des Volkes). Nicht etwa von Kommunisten, Anarchisten oder abweichlerischen Sozis. Nee, von ganz soliden Stockkonservativen. Will die FDP nun mit dem Plakat sagen, dass sie sich gegen die neuerdings ziemlich enteignungsfreudige CDU stellt? Dem widersprechen bekannt gewordene Koalitionswünsche. Das Plakat übersteigt eindeutig meinen intellektuellen Horizont. Macht nichts. In die Versuchung, FDP zu wählen, bin ich ohnehin noch nie gekommen.

Veröffentlicht unter leipzig, politik, sprache | 1 Kommentar

Kontrastprogramm

Am Dienstag und Mittwoch war ich bei zwei Teilen der von der grünen Landtagsfraktion veranstalteten Konferenzreihe „Kreative Stadt“. Die Unterschiede waren gewaltig. Während in Leipzig beispielsweise darüber diskutiert wurde, wie das Erfolgsmodell Designers Open zu einer stetigen Unterstützung der Kreativwirtschaft beitragen kann, ging es in Chemnitz darum, ob der Titel Kreative Stadt überhaupt noch zutrifft. Von einer Nekropole war die Rede, und Galerist Uwe Kreißig meinte, dass die freie Kunstszene in Chemnitz klinisch tot sei. Herzliches Beileid.

Veröffentlicht unter chemnitz, kulturpolitik, leipzig, politik | Hinterlasse einen Kommentar

Knochensamer

Sind Naturwissenschaftler wirklich so trockene, stets nur rational denkende Leute, wie man sie sich klischeebelastet vorstellt? Oder haben manche auch Lachfalten hinter den Ohren? Möglich. Als ich auf das kleine Schildchen unserer neuen Balkonblume – so was wie Margariten mit ungewöhnlichem Blaustich – schaute, wurde ich wegen des lateinischen Namens der Pflanze stutzig: Osteospermum. Wer sich so eine Bezeichnung ausdenkt, muss doch wohl ein bisschen schlitzohrig sein. Oder versteh ich da wieder etwas falsch?

Veröffentlicht unter sprache | Hinterlasse einen Kommentar

Nüscht wie wech

Im Fernsehn boomen Auswanderer-Soaps wie Goodbye Deutschland. Der Stadtstreicher, das älteste Chemnitzer Stadtmagazin, springt auf diesen Zug auf und stellt mehr oder weniger kreative Leute vor, welche die Stadt verlassen haben. Ich selbst hatte vor reichlich einem halben Jahr die Ehre, das erste derartige Interview geben zu dürfen. Mario Forberg, Chef der Musikkeipe Subway to Peter, ist Gast im aktuellen Heft. Er drückt es besonders drastisch aus: Aber machen wir uns nichts vor, aus der Idee vom lebendigen Szene-Viertel ist nie was geworden – und heute sind wir davon so weit entfernt wie nie. (…) In Chemnitz lerne ich kaum neue Leute kennen, Touristen kommen nicht, und die Studenten, mgen sie auch international sein, kriegt man auch nicht zu Gesicht. Es mag nun etwas merkwürdig sein, dass ein Stadtjournal derartige Antiwerbung für den eigenen Standort veröffentlicht, aber recht hat Mario auf jeden Fall. Und damit das so bleibt, wird eben gerade mit dem Experimentellen Karree der nächste Versuch, etwas Leben in die Bude zu bringen, plattgewalzt. Siehe unten.

Veröffentlicht unter chemnitz, kulturpolitik, politik | Hinterlasse einen Kommentar

Bas des Reliefs

Wenns hoch kommt

sinds nicht so viele

die unten bleiben.

Innere Fronten

härten aus zu Klischees.

Erhaben ist nichts als

de Gnubbln noach obm

wie etwa

– Blutwurstbatzen auf Knäckebrotscheiben

– Pockenpusteln auf Jungfernbrüsten

– Hustenauswurf auf Half Pipes im Regen

oder auch

– autoerektives Tun in Rückenlage

– standing ovations in Leichenhallen

– Aufrichtigkeit am Tresen halb zwei

ichhaben, duhaben,

wirhaben, siehaben,

erhaben

Veröffentlicht unter ergüsse | Hinterlasse einen Kommentar

Ente(n) des Tages

Manche Ökoromantiker behaupten ja, Dummheit sei eine rein menschliche Eigenschaft, Tiere könnten nicht dumm sein. Ich bin da anderer Ansicht. Bei uns gleich um die Ecke hat nun schon das zweite Jahr ein Stockentenpaar sein Domizil in einer dreckigen Pfütze mitten auf einem asphaltierten Parkplatz gefunden. Ist das nicht bescheuert?

Veröffentlicht unter leipzig | 2 Kommentare

ExKa retten oder auswandern?

Es wird immer deutlicher, dass die große Freundlichkeit des Chemnitzer kommunalen Immobilienkonzerns GGG gegenüber alternativen Nutzungsansinnen den Hauptzweck hatte, dass Experimentelle Karree in der konzipierten Form zu zerschlagen. Eine Zerstreuung der diversen Akteure scheint weniger Gefahrenpotial für die spießbürgerliche Ruhe der Stadt in sich zu haben. Nachdem die Spaltungstaktik fast schon aufzugehen schien, haben sich nun die ExKa-Interessenten zusammengeraft und wollen den Standort unbedingt retten. Immerhin steht auch ein Stadtratsbeschluss vom November 2008 dahinter.

Zur Unterstützung kämpfen auch die Veranstalter der Sommerakademie um das Karree, obwohl sich für dieses temporäre Projekt vielleicht auch Ausweichmöglichkeiten finden ließen. Die nächste Zusammenkunft der Organisationsgruppe findet deshalb am 3. April ab 15 Uhr auf dem Marktplatz vor dem Rathaus statt. Leider verpasse ich damit die kulturpolitische Diskussionsrunde im Leipziger Werk II. Irgendwie ist es schwierig, in zwei Städten zugleich an den Knotenpunkten zu sein.

Veröffentlicht unter chemnitz, kulturpolitik, leipzig, politik | 1 Kommentar

Tiefergelegt

Das wird jetzt ein längerer Sermon. Beim Versuch, „Hochkultur“ wie einen glitschigen Aal packen zu können, geht es mir nicht um philosophische Tiefe. Da er aber wie ein Prädikat der Stiftung Warentest benutzt wird, und alle, die da keinen Aufkleber abbekommen haben oder gar nicht erst in den Test einbezogen wurden, die Angeschmierten sind, hat es ganz praktisch-pragmatische Bedeutung, dieses so all zu selbstverständlich benutzte Label entweder exakter zu bestimmen oder zu demontieren/dekonstruieren. Allerdings sind die folgenden Gedankensprünge ungeordnet. Zur Systematik bin ich zu faul. Nennen wir es also Passagenwerk, da kriegt die Kritik gleich mal kalte Füße. Weiterlesen →

Veröffentlicht unter kulturpolitik, sprache | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

Neue Klänge

Fragt mich bitte nicht, wie das Instrument heißt, welches Steffan Claußner da in der Hand hält. Sieht aus wie ein elektronisches Sudoku und kommt natürlich auch aus Japan. So einfach wie es erscheint, ist die Bedienung keinesfalls. Jedenfalls lassen sich damit unglaublich viele Klangmöglichkeiten zaubern. Und das tat der Chemnitzer Musiker dann eben auch zur offiziellen Premiere meines Buches „Chemnitz Architektur – Stadt der Moderne“ in den kommunalen Kunstsammlungen. Immerhin war Bernd Ruscher gekommen, Leiter des städtischen Kulturbüros und auch der Chef der Architektenkammer. Ansonsten so um die 40 Leute. Hätten natürlich mehr sein können angesichts der epochalen Bedeutung des Werkes. Ist eben Chemnitz. Was soll man da sagen? Vielleicht das noch, dass Steffan Claußner auch Organisator des Improvisationsmarathons ist, der ab dem 30. April 19 Uhr für 42 Stunden und 19,5 Minuten mit diversen Musikern durch die Stadt der Moderne läuft. Dafür lohnt es sich doch, mal hinzufahren.

Veröffentlicht unter chemnitz | Hinterlasse einen Kommentar