Jens Kassner

Texte, Kommentare und anderes.

Bekackt

Ein Mann in Anzug und Schlips müht sich mit seinem alten Vater. Auf dem etwa acht Meter langen Weg vom Sofa zum Bett kackt dieser sich drei Mal in die Windeln. Verzweiflung beiderseits. Doch Themen des Stückes “Über das Konzept des Angesichts von Gottes Sohn” des Italieners Romeo Castellucci sind weder demografische Verschiebung noch Pfegenotstand. [...]

Reude schöner Götterfunke

aus: Die Zeit, 03/2011

Offener Ausgang

“Offene Zweierbeziehung” am TdjW Leipzig.

Es ist das Thema Nummer Eins der Literatur, des Theaters, des Films – das scheinbar so schwer umsetzbare stabile und dabei auch noch harmonische Zusammenleben eines Paares, das wegen des Dauerkonflikts der natürlichen (und damit sexuellen) und der intellektuellen Seite des Menschen permanent zu scheitern droht. Spätestens seit den wilden Sechzigern [...]

Starkes Stück

Etwas eigenartig mag es erscheinen, der Frau zum Hochzeitstag Mein Kampf zu schenken. Es war aber nur eine Karte für die gleichnamige Farce von Geoge Tabori am Theater der Jungen Welt. Und das hat sich gelohnt - Inszenierung, Schauspieler, das Stück sowieso - alles ganz stark! Nächste Vorstellungen: 26. Februar, 1. März. Mehr dazu schreibe [...]

Der Trend geht zum Zweitleben

Letzte Nacht hatte ich erstmals eine nähere Begegnung mit Second Life. Nicht im Traum und nicht am Computer. Vielmehr durch Jo Fabians Stück “Polka Dot. ein stilleben” zur euro-szene. Mehrschichtig, absurd (wie die Realität) und beeindruckend dicht spielten Annegret Thiemann und Matthias Horn ein Paar, das sich zwischen analoger und digitaler Existenz nicht so recht [...]

Die wollen doch nur spielen

Mein erster Theaterbesuch seit einiger Zeit am gestrigen Abend war mit mehreren Überraschungen verbunden. Entgegen den so häufig zu hörenden Behauptungen, das Centraltheater leide unter einer katastrophal geringen Auslastung, war der Saal voll fast bis auf den letzten Platz. An einem Montag. Und es war ein bunt gemischtes Publikum vom Teenager bis zum traditionellen Theatergänger [...]