Bloß nicht die Wahrheit sagen

Ehrlichkeit lohnt nicht. Da spricht endlich mal ein hochrangiger deutscher Politiker ganz klar aus, dass Kriege in erster Linie nicht wegen irgendeines humanitären Gewäschs wegen geführt werden, sondern um knallharte Wirtschaftsinteressen durchzusetzen. Und schon wird er durch die Medienmeute in den Rücktritt getrieben. Somit tut mir Horst Köhler fast schon etwas leid. Endlich mal einer, der Machiavelli gelesen und verstanden hat. Doch all die Kollegen, die sich dann entsetzt zeigten, haben offensichtlich eine bessere Schauspielausbildung genießen dürfen.

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Klarstellung

In mehreren Artikeln habe ich behauptet, die Pop-Kultur sei der sogenannten „Hochkultur“ gleichgestellt. Nun, da sich sogar die Kanzlerin veranlasst sieht, einer trällernden Gymnasiastin Blumen zu schicken, muss ich wohl etwas relativieren. Klar ist das Pop, was da am Sonnabend in Oslo vermarktet wurde, nach der Zahl der Zuschauer sogar extrem populär. Doch in Ermangelung eines besseren Begriffs umfasst Pop-Kultur eben ein riesiges Feld mit unzählbaren Facetten. Viele davon sind Nischenphänomene, für die Kulturindustrie uninteressant. Es lebe die Differenz.

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Mein erstes Dating

Ich war vorher ziemlich skeptisch, was denn das werden soll – ein Speeddating zwischen 100 sogenannten Experten und 100 zufälligen Besuchern. Und das noch unter der Überschrift „Chemnitz – schönste Blume des Ostens“. Okay, dass neben dem Slogan eine keimende Zwiebel abgebildet ist, deutet zumindest auf die Fähigkeit zur Selbstironie hin. Gestern abend war ich nun für anderthalb Stunden einer der „Experten“ (logisch) und muss sagen, dass die Idee ziemlich gut funktioniert hat. Per Zufallsprinzip sitzend da irgend welche Leute für acht Minuten am Tisch und wollen wissen, womit man sich denn so beschäftigt. Ganz interessant. Allerdings war ich hinterher total heißer, da neben dem allgemeinen Geräuschpegel von 100 Gesprächen auch noch Musik lief.

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Vollgas

Nach dem (gewollten) Scheitern der Wiederbelebung des Chemnitzer Brühls hat die kommunale Tochter GGG als Hauptverantwortliche nun endlich ein Rezept gefunden, wie wieder Leben in die Zone der toten Augen kommt: Die Fußgängerzone soll nach dreißig Jahren endlich wieder zur Autostraße werden, verkündet Geschäftsführerin Kalew. Das passt nun tatsächlich zu Chemnitz. Die City wird nicht nur von vier- bis achtspurigen Straßen umgeben, sondern auch gekreuzt. Und an drei Seiten des unmittelbaren Stadtkerns stehen mehretagige Parkhäuser, als solche auf den ersten Blick zweifelsfrei erkennbar. Das Konzept der autogerechten Stadt wurde von vielen Stadtplanern ja schon verabschiedet – in der sächsischen Innovationsmetropole feiert es eine fröhliche Renaissance. Immer einen Schritt voraus!

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Hat Müller daneben gehaun?

Vor kurzem habe ich ja über meine Einordnung von Jochen Schmidts Buch Müller haut uns raus unter die Rubrik Zeitgeschichte in der Stadtbibliothek Leipzig berichtet. Nun habe ich das Buch durch und bin dem Rätsel der Etikettierung nicht ernsthaft auf die Spur gekommen. Stattdessen tun sich neue Fragen auf.

Das Titelbild suggeriert, dass mit Müller eben jener Super-Dramatiker gemeint ist. Tatsächlich taucht er auch dann und wann im Text als ferne Bezugsperson auf, so eine Art von Vorbild. Trotzdem wird (für mich) nicht klar, wo er uns weswegen raushauen soll.

Jochen Schmidt gibt sich schon im sogenannten Prolog Mühe, das Erzählte als Fiktion darzustellen. Darum nennt er die Hautperson Jochen Schmitt. Nimmt man diese Konsonantentrift mathematisch, müssten etwa 92 Prozent der Handlung dennoch stark autobiografisch sein. Ich vermute, das stimmt auch so ungefähr, vielleicht mit einem Schuss mehr Phantasie als die Berechnung hergibt. Jedenfalls stolpert dieser Jochen durch die Nachwendejahre, auf der Suche nach der richtigen Frau und genauso nach einem Platz im Leben oder zumindest einem Beruf. Darunter versteht er allerdings was anderes als die pragmatisch denkenden Eltern. Spass muss es auch machen, doch die Interessen verschieben sich immer mal aufs Neue.

Amüsant, aber nicht unbedingt mitreißend ist dargestellt, wie der Dauerstudent Schmitt immer wieder aus Berlin flieht – für ein Jahr ins französische Brest, dann wegen einer Frau nach Spanien und schließlich (weswegen wohl) nach New York. Dort bricht der Roman ab. Von einem Ende kann ich nicht sprechen, das hätte 100 Seiten vorher ebenso kommen können wie nach weiteren 200 Seiten im gleichen Stil. Da war wohl einfach keine Lust mehr da.

Vielleicht ist es mein Fehler, dass ich manchmal ältere Werke von Autoren lese, die mich mit neueren Produktionen begeistert haben. Es gibt ja Entwicklungen. Jedenfalls habe ich von Jochen Schmidt schon Besseres gelesen. Da haut auch Müller nichts raus.

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Vertrauenswürdigste Mail des Tages

In Zusammenhang mit dem Kurs des Fallens des Euro,
wir sind Ihnen erzwungen, erneuert die
Rechnungen-Bezahlungen auszustellen.
Sie sehen das befestigte Dokument.

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Pink ist das neue Schwarz …

… sagte gestern eine zum WGT angereiste Österreicherin auf dem Südfriedhof, wo sonst, zu mir. Doch diese Meinung scheint noch nicht ganz mehrheitsfähig zu sein:

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Geht schon los

Spätestens beim heutigen Lebensmitteleinkauf bei Aldi wurde mir klar, dass WGT-Zeit ist. Eine dieser düsteren Gestalten habe ich aber auch vorige Woche schon nahe der MB geknipst:

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Was mir an diesem Frühling

fehlt, sind die Warnungen vor Waldbrandgefahr.

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Halbwertpolitik

Bei einer Diskussion im Deutschlandfunk hörte ich gestern, wie ein Journalistin sagte, die Regierung wolle auch ohne Zustimmung des Bundesrates die Atomlaufzeiten verlängern. Da könnte Angela Merkel als Kanzlerin etwas gelingen, was ihr in ihrem früheren Beruf als Physikerin versagt geblieben wäre. Manchmal lohnt der Umstieg in andere Branchen.

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