Mit Rechten reden?

Als jener Journalist, „welcher sich selbst dem linken Spektrum zugeordnet sah“ möchte ich etwas ausführlicher als es für einen Facebook-Kommentar üblich ist auf den Artikel des Leipziger Kunstmalers Axel Krause eingehen, den er jetzt nach einem Jahr nochmals veröffentlicht hat.

Es stimmt, dass ich seine Frage nach dem Ursprung des Faschismus beim Besuch in seinem Atelier nicht verstanden hatte. Was er damit meint, wurde mir letztendlich erst vor einigen Monaten klar, als er einen bei einem Fußballländerspiel privat anwesenden Journalisten als „weinenden Faschisten“ bezeichnete, der seinen „inneren Totalitarismus“ noch nicht überwunden habe. Anlass war, dass hinter diesem Journalisten sogenannte Fans Spieler der deutschen Mannschaft, die keinen arischen Stammbaum haben, als Neger und Bimbos beschimpften. Laut Krause hat also jeder, der solche rassistischen Beschimpfungen nicht in Ordnung findet jemand, der seinen „inneren Nazi“ nicht überwunden. Offenbar auch Leute wie ich, die es nicht in Ordnung finden, wenn bei einer Legida-Demo eine anwesende Linken-Politikerin lautstark als Fotze beschimpft wird. Ich war bei der gleichen Demo als Journalist anwesend, bei der Krause als Teilnehmer sich auf der richtigen Seite empfunden habe, wie er mir bei unserem Gespräch erzählte.

Vorläufiges Fazit: Faschist oder „innerer Totalitarist“ ist jemand, der es immer noch nicht akzeptieren will, dass rassistische und sexistische Beleidigungen ganz in Ordnung sind. Die Tabugrenzen müssen eben sinken oder ganz fallen. Noch-SPD-Mitglied Sarrazin hat dieses „Das wird man wohl mal sagen dürfen!“ eingeführt. Dann wird man ja auch mal sagen dürfen, dass es keinen Holocaust gab. Oder? Einer von Krauses Fans, Fabian Feindura, gibt sich auf Facebook auch ganz ungeniert der White Supremacy hin: „Jens, ich habe in Südamerika gelebt, wir sind mit einem Professor aus Tunis befreundet – all diese Länder wären ohne den Einfluss der weißen Europäer noch im Mittelalter!“ Das wird man doch mal sagen dürfen.

Die Bezeichnung „konservativ“, die Krause bevorzugt, ist Augenauswischerei. Konservativ-bürgerliche Kräfte wie CDU und noch mehr CSU wollen einen starken, regulierenden Staat im Interesse der großen, globalisierten Wirtschaft, aber im demokratischen Rahmen und im Wettbewerb mit den eher deregulierenden Liberalen oder sozialstaatlich ausgerichteten Kräften. Krause ist wie die ganze AfD (nicht nur der „Flügel“) antidemokratisch auf einen autoritären Staat hin orientiert. Genau das ist Totalitarismus, nicht das Tolerieren sämtlicher rassistischen Beschimpfungen. Die AfD gibt selbst das Ungarn Orbans als Vorbild an, wo Bürgerrechte massiv eingeschränkt werden und der Staatsapparat inklusive der Judikative konsequent umgestaltet wird.

Ich habe vor kurzem für die LVZ einen Artikel zu den kulturpolitischen Vorstellungen der AfD geschrieben. Was da in deren Wahl- aka „Regierungs-“Programm steht, ist antidemokratisch und verfassungsfeindlich. Das darf nicht zur Realität werden.

Als ich vor einem Jahr bei Krause im Atelier war, habe ich ihn zur Kulturpolitik der AfD befragt. Das wisse er nicht, müsse er nachsehen. Nach einem Jahr weiß er es offenbar immer noch nicht, jedenfalls äußert er sich nicht dazu. Außer ausführlich zu seiner „Causa“, die nun sogar zum Thema der letzten Sitzung des Sächsischen Landtages wurde, wo die kulturpolitische Sprecherin der die Debatte beantragenden AfD durch Unkenntnis glänzte.

Sein neuer Kumpel, der Hallenser Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz, wird in einem Artikel von Kerstin Decker im Tagesspiegel indirekt zitiert, dass sein angebliches Redeverbot bei einer geplanten Diskussion im MdbK, die er und Krause selbst platzen ließen, ein „terroristischer Akt“ sei. Das ist unglaublich. Ein CDU- Politiker wird erschossen, nachdem Krause-Freundin Erika Steinbach vor kurzem nochmal darauf hinwies, dass der seine Strafe noch nicht erhalten habe. In Bundeswehr und Polizei werden rechtsradikale Netzwerke aufgedeckt. Und die „Revolution Chemnitz“ steht vor Gericht, die Krause auch verharmlost hat (mit einem Luftgewehr – hihi, haha). Nein, mit Todeslisten und Maschinenpistolen. Und da redet dieser Maaz von einem terroristischen Akt, weil er angeblich nicht reden durfte, was nicht mal stimmt. Hat der Psychiater selbst was an der Klatsche oder ist er einfach nur ein zurechnungs- und damit schuldfähiger Rechtsradikaler?

Die Standard-“Argumente“ der Krause-Fans sind, dass ich psychisch gestört oder dumm bin oder beides. Geschenkt. Seine neue Galeristin Friedericke Sehmsdorf meint dann auch noch, sie habe einen Trumpf in der Hand, weil ich an der Karl-Marx-Universität Leipzig Philosophie studiert hätte (was nicht einmal korrekt ist). So what, lieber Marxist als Nazi.

Und was immer wieder kommt: Ich wie auch alle Gutmenschen und Linkgrünversifften bezeichnen eben alle, die eine andere Meinung haben, als Nazis. Da habe ich mir schon angewöhnt, mit Copy + Past zu arbeiten. Ich habe eine stark abweichende politische Meinung zu Horst Seehofer, Angela Merkel, Christian Lindner, Andrea Nahles und auch manchen Politikern von Grünen und Linken, z.B. Sarah Wagenknecht. Doch all die bezeichne ich nicht als Nazis. Nur Nazis bezeichne ich nur solche, die es sind. Ich weiß, der Hinweis ist völlig sinnlos, da hilft auch keine Wiederholung.

Mit Rechten reden? Keine Chance. Sie sind doch die Demokraten, die anderen die Faschisten etc. Dass sich Krause mit seiner Bezeichnung von politischen Gegnern als Faschisten selbst als Antifa outet ist ein Kollerateralschaden dieser rhetorisch sinnlosen Tricks.  Diesen Leuten kann man nur in den Sack treten (das meine ich jetzt genderneutral). Über sie reden ja, so viel wie möglich, sie nerven. Mit ihnen diskutieren – das ist einfach vergeblich.

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2 Antworten auf Mit Rechten reden?

  1. Carlos Wefers Verástegui sagt:

    Ihr Problem ist gut dargelegt bei Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft I, „2. Aufklärung als Gespräch – Ideologiekritik als Fortsetzung des gescheiterten Gesprächs mit anderen Mitteln.“

  2. admin sagt:

    Was genau ist denn „mein Problem“? Dass ich seit Jahren feststellen muss, „mit Rechten reden“ (ich sage lieber Rechtsradikale) ist völlig zwecklos. Habe „Kritik der zynischen Vernunft“ vor reichlich 25 Jahren gelesen, fand es gut. Heute ist Sloterdijk einer, der sein Fähnchen nach dem Wind dreht. Und was er als Lehrer vermag, sieht man ja am Wut-Philosophen Marc Jongen. Eine Kritik rechtsradikaler Ideologien ist unverzichtbar. Mit ihnen konstruktiv sprechen geht aber grundsätzlich nicht. Ich habe nun auch darauf verzichtet, bei dem rechtsradikalen Kunstmaler Krause noch irgendwas zu kommentieren. Ich habe immer nur seine politischen Aussagen kritisiert, nie seine Gemälde. Er kommt nun aber aus Mangel an Argumenten damit, dass ich ja kein Journalist sei, weil mir dazu was fehlt. Ist eben nur ein primitives, braunes Arschloch wie alle AfD-Anhänger.

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