Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben – eine Diskussion über Kunstfreiheit im Zeitgeschichtlichen Forum

Der überraschendste Moment war, als Axel Krause sagte, dass in Deutschland die Kunstfreiheit nicht existenziell gefährdet sei. Warum er eigentlich an dieser Diskussion teilgenommen hat, obwohl er wiederum seinen Psychiater nicht mitbringen durfte, bleibt mir schleierhaft. Zumindest kann er nun nicht mehr behaupten, dass ja niemand mit ihm sprechen wolle. Und dieser offenbar selbst schwer gestörte Maaz kann nicht mehr von einem terroristischen Akt sprechen. Doch schon vorab betonte Krause, dass er ja die einzige regierungskritische Person auf dem Podium wäre, damit das rechtsradikale Klischee breittretend, dass alle Menschen Lemminge der Regierung seien, die nicht ebenfalls rechtsradikal denken und handeln.

Von der Ministerin auf Abruf Eva-Maria Stange kann man Regierungskritik nun wirklich nicht erwarten. Bei den anderen Mitdiskutierenden darf man aber zweifeln, ob sie sich als Mitläufer bezeichnen würden. Es waren Uwe Neumann (Kunsthalle Rostock), Christoph Tannert (Künstlerhaus Bethanien, Berlin) und Rüdiger Giebler (Hallenser Künstler). Moderiert wurde angenehm unaufgeregt von Jürgen Reiche, dem Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums.

Im Unterschied zu der völlig misslungenen Diskussion vor einem Monat im MdbK ging es nun tatsächlich im gut gefüllten Veranstaltungssaal des ZF um den Begriff der Kunstfreiheit und deren Grenzen sowie um das Desaster um die diesjährige Jahresausstellung. Um in der zweiten Frage etwas weiter zu kommen, hätte allerdings der im Saal anwesende alte und neue Vorsitzende des Vereins Rainer Schade mit auf dem Podium sitzen müssen.

Während Neumann, der unter anderem eine Ausstellung mit dem hochrangigen SED-Funktionär Willy Sitte veranstaltete, keinerlei Gefährdung der Kunstfreiheit sieht, hat Tannert aus eigener Erfahrung einen etwas anderen Blick. Er wurde wegen einer von ihm verantworteten Ausstellung im Bethanien von Fanatikern der Political Correctness heftig angegriffen. Ministerin Stange wies aber zu Recht darauf hin, dass die Kunstfreiheit eigentlich nur von staatlicher Seite beschränkt werden kann, nicht durch noch so lautstarke Pressure Groups, auch wenn diese manchmal Erfolg haben wie beim übertünchten Gomringer-Gedicht. Das hängt nun aber an viel prominenterer Stelle neben dem Brandenburger Tor.

Auch Krause darf malen was er will, er stellt aus, ist nunmehr in der Artothek des Bundestages vertreten, veröffentlicht Abbildungen der Werke im Internet, äußert sich ebenda sehr intensiv. Seine Freiheit ist unübersehbar tatsächlich nicht gefährdet. Und er sitzt auf dem Podium einer Einrichtung der Bundesrepublik. Das ganze Geschwätz von DDR 2.0, Stasi etc. wird schon dadurch ad absurdum geführt.

Einigen seiner Groupies im Publikum gefiel aber nicht, dass seine Selbstdarstellung als „entarteter Künstler“ von den Mitdiskutanten nicht als Satire verstanden werden kann. Ich hatte Angst, dass zwei hinter mir sitzende Damen mir ins Genick kotzen. Dabei ist die Sache klar. Das ist keine Satire, sondern eine Verhöhnung der tatsächlichen Opfer der Aktion „Entartete Kunst“ und damit auch eine Verharmlosung des NS-Regimes. Und dass sich Krause völlig unsatirisch als echten Rassisten geoutet hat, wurde im Gespräch auch kurz angerissen.

Er beharrt darauf, dass alles, was nicht direkt gegen Gesetze verstößt, gesagt werden darf. Alles andere ist Moralisieren. Für ihn selbstverständlich im Sinne einer staatlich vorgegebenen öffentlichen Moral, gegen welche einige mutige Patrioten wie er selbst rebellieren. Ja, es gibt Moral, aber eine sehr differenzierte und zwiespältige. Sie ganz abzuschaffen, kann aber auch keine Lösung sein. Mir persönlich fällt es nicht ganz leicht, den Moralisten zu spielen. Ich wurde schon selbst häufig als Sexist oder alter, weißer Mann beschimpft, dem aktuellen Standardschimpfwort der PC-Fans, äh Fan*innen. Doch wenn dieser Krause eine Terrorzelle Revolution Chemnitz verharmlost und es zudem gut findet, dass deutsche Fußballer mit nicht ganz blasser Haut als Neger und Bimbos beschimpft werden und er den Journalisten, der das öffentlich machte, als weinenden Faschisten bezeichnet, der seinen inneren Totalitarismus noch nicht überwunden habe, sind meine moralischen Grenzen eindeutig überschritten.

Um dieses Erweitern des Sagbaren step by step ging es auch in der Diskussion, Klemperers LTI wurde angeführt, ebenso Sarrazin als Gegenpol. Eine gänzlich entmoralisierte Gesellschaft ist letzlich Barbarei.

Die eigentlich in der Praxis evidente Frage, wie Galerien, Vereine und Museen mit einem Künstler umgehen, der völlig unpolitische Bilder malt, aber sich als Privatmensch intensiv rechtsradikal äußert, konnte in dem Gespräch dann doch nicht beantwortet werden. Somit war die Überschrift der Veranstaltung „Was darf Kunst?“ auch ein Fehlgriff. Krause behauptet, sein Ausschluss aus der Jahresausstellung sei rechtswidrig und nur auf Druck von Spinnerei-Galeristen zustande gekommen. Andere meinen, Geldgeber wie die Sparkasse hätten interveniert. Ich bin mir sicher, dass tatsächlich äußerer Druck die Ursache war, von wem auch immer. Vielleicht hätte man die diesjährige Jahresausstellung tatsächlich komplett absagen sollen, wie es einen Tag lang mal hieß.

Nichts ist ausgestanden. Nun ist die Debatte über Neo Rauchs Anbräuner-Bild zwar abgeflaut, das Thema aber nicht ausdiskutiert. Und sollte der Albtraum einer schwarzbraunen Koalition in Sachsen wahr werden, könnten sich auch andere Künstler aus der Deckung trauen.

Auf die Gefahr hin, immer wieder als Idiot, geisteskrank, dumm oder eben als Moralist bezeichnet zu werden, ist meine Meinung, dass man Leuten wie Krause energisch widersprechen muss. Und dabei fühle ich mich ziemlich einsam. Außer Thomas Gatzemeier und Ralph Hälbig tut das kaum jemand, gelegentlich noch Ullrich Thaler.

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7 Antworten auf Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben – eine Diskussion über Kunstfreiheit im Zeitgeschichtlichen Forum

  1. Ich gehe absolut d’acor mit den Ausführungen zu Krause und nur kurz angerissen zum Verein. Weil eben die „äußeren Einflüsse“ tatsächlich auf dem Tisch lagen bei der MV am 20. Juni geriet der Verein unter Druck. Krause war ein Rechtfertigungsbeispiel par exellence. Denn bis zur Ausladung wurde seine Teilnahme intern (Mailwechsel liegt vor) vehement verteidigt. Die Krause-Ausladung war m.E. eine Einzelentscheidung des Vorstands, nicht des Vereins (Mitglieder wurden nicht befragt, sondern nur über PM informiert – wenn überhaupt). Bei der MV waren die Galerien genannt worden, Krauses Äußerungen auf Facebook mit der üblichen Rechtsfertigungslyrik und auch monetäre Probleme. Z.B. wird die Ur-Krostitzer Brauerei u.a. als Förderin genannt. Mir gegenüber verneinte man diese Position einzunehmen (Stand Juli 2019). Die Gelder (5000 EUR) von der Kulturstiftung Sachsen sind 2019 weg gefallen. Kurzfristig (Juni 2019, seit April gehangelt) konnte ich über Dritte aus der Leipzigstiftung Gelder (5000 EUR) akquirieren. Was Krause angeht; er war schon in den Neunzigern der „Nazi-Krause“ an der HGB-Abendakademie, und auch Schade hat das gewusst. Wenn er das verneint, sagt er nicht die Wahrheit. Er war zu dieser Zeit um 1995 regelmäßig „zu Gast“ an der Abendakademie. Das Gerede über Krause konnte er nicht ignorieren.

  2. admin sagt:

    Nach der Kündigung der Vertretung durch die Galerie Kleindienst habe ich selbst mit Rainer Schade darüber gesprochen. Er meinte, das sei doch aber so ein netter, umgänglicher Mensch. Er wusste Bescheid über Krauses politische Haltung. Aber die Frage ist eben nun, darf man deswegen jemanden, der von der vielköpfigen Jury im mehrstufigen Wahlverfahren (ich war selbst mal als Gast dabei) ausgewählt wurde, nachträglich ausschließen? Ich hätte nicht für ihn bei der Auswahl gestimmt. Sowieso war er schon früher vertreten, es gibt in Leipzig Hunderte gute Künstler. Ich frage auch nicht, wer für ihn gestimmt hat. Juryentscheidungen sind geheim, klar. Dennoch ist mir das Verhalten des Vorstandes unverständlich. Haben sie wirklich geglaubt, dass es reibungslos durchläuft?

    • Ja, Axel Krause ist nett und umgänglich. Aber das was und wie er sagt, ist explosiv. Ich habe in der 70. Ausgabe der Leipziger Zeitung ausgeführt, und z.T. auch in der L-IZ und LZ zuvor, das die Schrittfolge:
      – vehemente Verteidigung der Enscheidung (Vorgeschlagen v. einer bekannten Prof.in aus der HGB) als demokratisch gesetzt
      – Ausschluss Krauses wegen seinen Äußerungen
      – Rücktritt des Vorstands und damit Handlungsunfähigkeitsmachung des Vereins
      – Einsatz eines kommissarischen Vorstands gleichen Personals außer einer Person
      – Wiederwahl des alten Vorstands außer einer Person
      – zwischenzeitliche illegale Fortführung der Ausstellung ohne Beschluss der Mitglieder

      vereinsdemokratisch zu beanstanden ist. Der Vorstand hat unredlich gehandelt und handelt immer noch unredlich. Meine Berichte werden ständig als falsch abgetan, obwohl sie quellenbasiert und abgesichert sind. Was die zu einem sagen, ist aus m.S. mit Vorsicht zu genießen. Auch zu dem Umstand des Walleneit-Dibonds, wozu es im übrigen eine Polizeiuntersuchung gab, weil man der Anzeige gegen Unbekannt nachgehen musste. Die Polizei stellte mutmaßlich herbei geführte Sachbeschädigung fest. Selbst diese Einschätzung lehnt der Vorstand in persona Schade als unwahr ab. Steht alles in der LZ 70.
      Und ja; man dachte, dass die Vogelstraußtaktik ausreichend wäre. Man lehnte strikt Besuche von bspw. Arne Linde während des Aufbaus ab, außer einer externen Vorstandsperson, wollte man auch keine Podiumsdiskussion stattfinden lassen. Man befürchtete eher Sachbeschädigungen seitens „linksradiker“ Aktionen. Presseanfragen von einem Journalisten der Sueddeutschen wurden mit einer bereits vorbereiteten Pressemitteilung beantwortet. Wenn Du mich fragst, war alles dilettantisch. Zu Schade hatte ich immer gesagt, dass der Verein die Diskussion an sich reißen und führen müsse. Das ist nicht geschehen. Ich denke, sie alle waren schlichtweg überfordert. Man hat diese Entwicklung und Bedenken Causa Krause schlichtweg beiseite gewischt. Sie waren aber vorhanden. Es wäre einfach gewesen, den Vorschlag mit der Begründung unter den Tisch fallen zu lassen, dass Krause bereits mehrfach zu sehen war – zuletzt 2013. Da hat es kein Schwein interessiert, dass er rechtsradikale Äußerungen (noch nicht auf Facebook) unternahm.

    • rosi haase sagt:

      ja, das ist für mich der wichtigste satz: in leipzig gibt es hunderte gute künstler.
      das wäre doch viel spannender, die zu präsentieren.
      den sogenannten malerfürsten (rauch, krause) ist ihr finanzieller erfolg irgendwie ins gehirn gestiegen, scheint mir. und ein kluger freund meinte zu axel krause: “ der kann schon malen…aber der charakter schlägt auch in den bildern irgendwie immer durch „.

  3. admin sagt:

    Interessant zu hören. Da ich kein Vereinsmitglied bin, werde ich mich aber nicht in die Interna einmischen. Das muss der Verein selbst klären. Mich geht es nur insofern was an, dass ich in dem Beirat für Fördermittelanträge der Sparte Bildende Kunst sitze und da über die Vergabe von Mitteln für das kommende Jahr beraten wird. Da ist mir etwas mulmig. Wegen Walleneit bin ich allerdings skeptisch. Da soll also jemand nachts eingedrungen sein ohne Spuren zu hinterlassen und hat nur dieses eine Bild zerstört, das in keinem Zusammenhang mit der Krause-Debatte steht? Wenig glaubwürdig.

    • Tja, mir auch schleierhaft. Aber ich habe die Fotos gesehen. Scheint zu stimmen. In dem Fall spielen sicher auch ihre vereinskritischen Äußerungen in einigen Interviews eine Rolle. Da es sich um laufende Ermittlungen handelt, will ich mich dazu nicht mutmaßend äußern. Gebe nur das wider, was mir angetragen wurde bzw. was ich abgleichen konnte. So sieht es aus, dass Aussage gegen Aussage steht. W. meint, ihr Werk wäre mutmaßlich herunter geholt / zerstört worden. Der Verein meint, das wäre während der Anwesenheit einiger Vereinsmitglieder geschehen, ohne Zutun eines Dritten. Die Wahrheit scheint irgendwo dazwischen zu stecken. Noch wissen wir es nicht.

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