Die Grundstücks- und Gebäudewirtschaftsgesellschaft Chemnitz (GGG) ist zu hundert Prozent eine städtische Gesellschaft. Daraus abzuleiten, sie habe eine besondere Verantwortung für die Stadtentwicklung, kann man in Frage stellen. Die Hauptaufgabe besteht doch darin, Wohnraum zu erhalten, zu schaffen, anzubieten. Stimmt.
Doch dann müsste sich das Unternehmen von solchen Immobilien wie dem Tietz, Schocken und Villa Esche trennen, sie in andere Verantwortlichkeiten übergeben. Außerdem macht die GGG dennoch städtebauliche Politik. Dabei ist ein deutlicher Unterschied zwischen der Amtszeit von Peter Naujokat und seiner Nachfolgerin Simone Kalew zu erkennen. Unter Naujokat wurde die Villa Esche gerettet – eine Großtat, es wurde die Mittelstandsmeile (heute als Rathauspassagen bezeichnet) gebaut, schließlich bewahrte er auch Dieter Füßleins Sachsenbau mit vielen Millionen vor der Pleite, um ein Contiloch direkt vor dem Neuen Rathaus zu verhindern.
Bei Kalew geht es in die andere Richtung. Hier ein paar Beispiele:
- Die Einweihung des Tietz wurde 2004 als großer Fortschritt gefeiert, ganz zu Recht. Doch später stellten sich strukturelle Mängel heraus, das Erdgeschoss als Empfangszone verödete. Geschäfte und Gastronomie scheiterten immer wieder. Die Direktorinnen und Direktoren der vier großen Einrichtungen im Haus setzten sich zusammen, erarbeiteten Lösungsvorschläge. Nichts passierte. Ein paar kosmetische Korrekturen, eine Umgestaltung des Vorplatzes. Nichts Durchgreifendes.
- Das Plattmachen des Experimentellen Karrees 2010 ist eine Ursünde. Chemnitz ist bis heute nicht gerade reich an Subkultur. Als sich da mal eine Keimzelle entwickelte und immer mehr Leute anzog, musste ganz schnell der Deckel draufgemacht werden. In Chemnitz gibt es einen starken Kontrollzwang, Simone Kalew ist eine Hauptvertretrin. Einige Protagonisten des Exka resignierten, andere zogen in die zugewiesene Ausweichimmobilie an der Leipziger Straße um, die nie richtig attraktiv wurde, nun auch endgültig Geschichte ist.
- Dass der Brühl nicht so richtig lebendig wird, ist nicht alleinige Schuld der GGG. Doch sie hat viel dazu beigetragen, unter anderem durch die Privatisierung einiger Häuser und Schaffung von Wohnraum gehobener Preislage bis ins Erdgeschoss. Ich erinnere mich gut an eine völlig überfüllte Veranstaltung 2009 im damals noch existenten Delicate. Eine wasserstoffblonde Dame von der GGG schmetterte alle Vorschläge mit „Das wollen wir nicht“ oder „Das haben wir uns anders vorgestellt“ ab. Der frühere Pressesprecher der GGG Stefan Reisz bekennt sich dazu, gesagt zu haben „Wir wollen kein zweites Connewitz.“
- Auch das an den Brühl angrenzende Karree an Georgstraße und Karl-Liebknecht-Straße ist ein Problem, da es zum sozialen Brennpunkt wurde. Die ausbleibende Sanierung begründet die GGG mit den Planungen für ein Theaterquartier. Bis vor Kurzem musste das als billige Ausrede erscheinen. Mit der immer noch unentschiedenen Frage, wie es mit dem Schauspielhaus weitergeht, scheint das aber überraschend gar nicht mehr so abwegig.
- Nun aber kommt ganz aktuell hinzu, dass die Vertragsverlängerung mit Nirit Sommerfeld für das Café Julius im Smac gescheitert ist, weil die GGG eine Klausel in den Vertrag schreiben möchte, dass es keine politischen Veranstaltungen geben darf. Das Café steht in Kürze wieder leer. Toll.
Zu diesen Themen, abgesehen vom letzten, hatte ich schon mal einen Artikel für die Freie Presse fertig. Da er nicht den Ansprüchen der Redaktion entsprach, ist er nie erschienen. Doch schon dafür, vor fast zwei Jahren, gab es eine Anfrage für ein Gespräch mit der Geschäftsführung. Nach langem Schweigen und mehreren Nachfragen, sogar dem Einreichen von Fragen, kam die Absage: Kein Gesprächsbedarf. Ebenso verweigert sich das Unternehmen gegenwärtig den Presseanfragen zum Café Julius,
Als städtische Gesellschaft hat die GGG einen Aufsichtsrat, in dem Vertreter der Stadtratsfraktionen sitzen. Sollten die eventuell mal was anderes machen, als nur die jährlichen Geschäftsberichte abzunicken?