Großkopf

Da ich ja immer noch nicht weiß, was ich werden will, wenn ich mal groß bin, habe ich vorgestern mit Interesse festgestellt, dass „Global Head of Art“ eine Bezeichnung ist, die man auf der Visitenkarte stehen haben kann. So nennt sich bei einem großen, ganz großen Kreditinstitut dieses Landes der Mensch, der für Einkauf und Bewahrung von Kunstwerken zuständig ist. Ich würde es mit Erdiger Kunstkopf übersetzen.

In der bedeutendsten, da einzigen Fernsehzeitung der DDR, der „FF dabei“ gab es neben der Ankündigung mancher Radiosendungen ein Symbol, das wie dieser ägstliche Roboter bei Star Wars aussah. Es bedeutete Kunstkopf-Stereophonie. Da wurde dann ein Pappkamerad mit anatomisch korrekt geformten Ohrmuscheln, in denen sich Mikrofone befanden, in den Konzertsaal gesetzt. Die hohe Kunst des Abhörens! Der Arbeitstag jenes Global Head of Art ist vermutlich aufregender.

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2 Antworten auf Großkopf

  1. rohl sagt:

    Sorry, ich weiß, ich übertreibe es mit den Kommentaren. Egal, dieser eine muss noch sein.

    Das Lustige bei der Eröffnung Mittwoch im Museum der bildenden Künste war ja, dass der eine Großkopf der Deutschen Bank den anderen Großkopf der Deutschen Bank, den „Global Head of Art“, als „Herrn Mücke, ähhh, Hütte“ vorgestellt hat. Dass der Abgesandte auch sonst nicht wusste, wovon er sprach, stellte er hinreichend unter Beweis.

    Was soll’s? Die Deutsche Bank weiß, wie man Profit macht. Wen stören da die – gewaltigen – Kollateralschäden ihrer Geschäfte? Nachzulesen etwa bei den Kritischen Aktionären:

    http://www.andere-banken.de/fileadmin/Dokumente/ANDERE_BANKEN_BRAUCHT_DAS_LAND_/10-Publikationen/RZ_Dossier_Deutsche_Bank_2012_WEB.pdf

    Das Image, das man mit Geschäften auf Kosten der Allgemeinheit schädigt, macht man wett, indem man die Konzernsammlung Leipzigs Kunstmuseum zum Mal-Zeigen-Dürfen überlässt. So geht es ein zweites Mal auf Kosten der Allgemeinheit. Denn anders als etwa bei „Carte Blanche“ in der GfZK zahlt die Deutsche Bank nicht für die Kosten, die diese PR-Maßnahme verursacht. Leipzig zahlt. Und der Museumsdirektor, nennen wir ihn Hans-Werner Schmidt? Der dankt auch noch, indem er bei der Vernissage eine 15-minütige Schleimspur hinterlässt!

    Unglaublich, aber es ist tatsächlich so widerlich.

  2. admin sagt:

    Zur offiziellen Eröffnung war ich nicht, nur zur Pressekonferenz. Da habe ich Hans-Werner Schmidt zur Motivation des Museums für diese Ausstellung gefragt. Wie eigentlich zu erwarten kam da aber nur der Verweis auf die über 20-jährige Kooperation zwischen Museum und Bank.

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