Braune Suppe

Die Leipziger Kopisten von Pegida, fantasievoll Legida benannt, haben ihre Standpunkte veröffentlicht. Das Positionspapier der Dresdner Kollegen liest sich im Vergleich dazu wie ein Referentenentwurf zur Verbesserung der Lage von Asylbewerbern. Die Leipziger machen nicht so viel Schmus. Dass sie rechtsaußen sind, wird nicht mehr verschleiert.

Zunächst mal wird klar, dass die angebliche „Islamisierung“ nur einen Vorwand für allgemeinen Fremdenhass darstellt. Es ist ein Sammelsurium von Forderungen, von denen viele mit Moslems oder gar Islamisten überhaupt nichts zu tun haben. Da geht es um das deutsche Steuersystem ebenso wie um eine Bildungsreform oder auch Sympathy for the Putin.

Vieles davon kommt mir sehr bekannt vor von Plattformen wie Blaue Narzisse oder Sezession, in die ich häufig reinschaue. Das ist der rechte politische Rand, auch wenn sie natürlich überhaupt völlig garnichts mit Nazis zu tun haben wollen.

Vor allem die mitgelieferten Erläuterungen machen deutlich, dass Legida simplen Nationalismus predigt. Viele „Argumente“ beruhen auf der bei heutigen Rechtsauslegern, vor allem den sich intellektuell gebenden Neuen Rechten, so beliebte Theorie des Ethnopluralismus. Diese besagt, dass jedes Volk innerhalb seiner Staatsgrenzen biologisch rein leben soll, in friedlicher Nachbarschaft zu anderen sauberen Völkern. Ein gemeinsames Europa kann nur ein Europa der Völker, unter Beibehaltung ihrer nationalen Identität, sein. Was mit diesem schwammigen Begriff der Identität gemeint ist, wird an anderer Stelle verdeutlicht: Die Geschichte belegt, dass die Vermischung von Kulturen immer zum Zusammenbruch der Urkulturen führt. Die in unserem Land praktizierte Schaffung einer multikulturellen Gesellschaft führt auch zum Verlust unserer Kultur und zum Sittenverfall. Urkultur! Welch starker Begriff. Deutsche Urkultur. Der möchte ich nicht im Dunkeln begegnen. Diesen arischen Sozialeugenikern sollte mal ein Geschichtslehrer erklären, dass es in diesem Abendland niemals biologisch reine Völker gegeben hat. Würde man im Legida-Papier alle Wörter streichen, die nicht germanischen Ursprungs sind, wüssten sie nicht mal selbst, wovon sie stammeln.

Woanders wollen sie dann aber selbst einen scharfen Bruch in der deutschen Tradition. Mit dem „Schuldkult“ soll endlich Schluss sein. Die BRD sei schließlich kein Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches. Was haben wir also noch mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust zu tun? Gehört nicht zu unserer Urkultur. Haben wahrscheinlich irgendwelche Multikultis reingebracht, so ein komischer Österreicher vor allem.

Ein ganzer Komplex des Dokumentes widmet sich einer deutschen Verfassung, die das Grundgesetz ablösen soll. All zu fundamentale Änderungswünsche haben sie dabei aber gar nicht. Tierschutz rein? Geschenkt. Aber auffällig ist dann doch, dass sie das Christentum als Staatsreligion festschreiben wollen. Also Rolle rückwärts hinter die Aufklärung zurück. Und das in Leipzig, wo immer noch die große Bevölkerungsmehrheit konfessionslos ist. Ist das kein Extremismus? Hier sollte besagter Geschichtslehrer noch mal ran und daran erinnern, wie einst die Sachsen von Karl dem Großen mit tausenden Todesopfern als Kollateralschaden zwangschristinanisiert wurden. Auffällig ist zudem, dass nun von der eingangs benannten „christlich-jüdisch wertgeprägten Kultur“ der jüdische Teil abhanden gekommen ist. Etwas jüdisches wollen die Legidas wohl doch nicht in der Verfassung stehen haben.

Um Migranten und Asylbewerber geht es am Rande natürlich auch noch. Dass nur ein geringer Teil der Flüchtlinge tatsächlich ernste Gründe für ein Asyl hat, steht von vornherein fest. Und wer bei der Flucht aus Aleppo oder Mossul nicht seine ganze Personalakte mitnehmen konnte, der hat sowieso keine Chance. Aber auch Einwanderer, die auf ganz andere Weise ins Land gekommen sind, etwa durch Heirat mit einem Biodeutschen, möchte man einfach wieder loswerden. Wenn sie straffällig werden, kann man ihnen den Pass einfach wieder entziehen. Und straffällig zu werden ist ja speziell in Sachsen recht einfach, da muss man nur an einer Demo gegen Nazis teilnehmen.

Dieses Legida-Dokument ist so deutlich von völkischem Wahn getränkt, dass keiner der Teilnehmer am Aufmarsch sagen darf, er sei doch nur ein besorgter Bürger aus der Mitte.

Am 12. Januar sind mehrere Gegendemonstrationen angemeldet. Kommt in Massen und zeigt der braunen Suppe, dass in Leipzig kein Platz dafür ist. Schon Christian Worch musste das mal einsehen.

 

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2 Antworten auf Braune Suppe

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