Fotoschwemme

Auch wenn die große Überblickschau zur Leipziger Fotografie erst am kommenden Wochenende in gleich drei Museen startet, gibt es schon im Vorfeld einen richtigen Überfluss an Fotoausstellungen in der Stadt, wohl als Ausgleich für das in diesem Jahr ausfallende Festival F-Stop. Über drei davon will ich kurz berichten.

Kunst am Boden. Und an den Wänden der kunsthalle der Sparkasse.

Kunst am Boden. Und an den Wänden der Kunsthalle der Sparkasse.

„Auslöser“ nennt sich eine ziemlich große Schau in der Kunsthalle der Sparkasse mit Arbeiten von Absolventen der HGB. Die Betonung liegt auf Fotografie als Kunst, was teilweise recht kopflastig wird. Den Untertitel „Fotografie-Konzepte in Leipzig“ kann man ernst nehmen. Das Konzeptuelle liegt für mehrere der Jungkünstler darin, fremde Vorlagen zu adaptieren. Ganz neu ist das nun nicht, schon Ende der 1970er begann Larry Rivers mit dieser „appropriative art“. Doch da es immer mehr Bilder gibt, kann man auch immer mehr aneignen. Das kann 1: 1 passieren wie bei Jörn Lies, der ein altes anonymes Schwarzweißfoto groß aufzieht und es als sein eigenes ausgibt. Diffiziler geht es bei Björn Siebert zu, der banale Flickr-Fundstücke mit großem Aufwand als Highend-Bilder nachbaut. Noch einen Schritt weiter geht Georg Brückmann. Er stellt bekannte Vorlagen von Vermeer bis zu Capa und einem Beatles-Plattencover aus Baumarkt-Materialien nach. Das ist originell und frappierend.

Mehrere Künstler verlassen die flache Zweidimensionalität und bauen Installionen mit und ohne Fotografien. Doch es kommen auch „richtige“ Fotos herkömmlicher Art vor. Perfekt sind die inszenierten Porträts von Steffen Junghans, nicht weniger die Weiß-in-weiß-Studien von Esperanza Spierling oder die fiktiven Katastrophenfolgen von Wiebke Elzel und Jana Müller.

Mehrfach zu finden ist die Kombination von Abbildlichkeit und Text, etwa bei den reportagehaften Porträts kanadischer Ureinwohner von Katia Klose und den zugeordneten Berichten des Zustandekommens. Doch der Text kann auch das Bild verdrängen, so in Wiebke Elzels Bericht eines Scheiterns. Und bei Moritz Frei schließlich bleiben die Rahmen ganz leer, die Unterschrift muss reichen.

Bis 13. März, Otto-Schill-Str. 4a

Ganz das Gegenteil, also betont kunstfrei, ist die Ausstellung von Karin Wieckhorst und Christiane Eisler in der Galerie Vor Ort Ost. Es sind Reisebilder. Auch wenn manche davon auf privaten Reisen entstanden sind, hat es natürlich nichts mit Urlaubsknipserei zu tun. Beide sind schließlich diplomierte Fotografinnen.

Es sind vor allem die kleinen Dinge am Rand, die in zehn Ländern von China bis Kuba und Niger bis Rußland gefunden wurden. Und natürlich die Menschen. Die Bezeichnung Reportage mag korrekt sein, doch es geht nicht um die großen weltbewegenden Ereignisse. Dabei ist gerade am Tag der Vernissage Mubarak gestürzt worden. In Christiane Eislers Ägyptenbildern ist davon nichts zu sehen, auch die Abbildungen ihrer Kollegin aus Tunesien wirken ganz friedlich. Doch Geschichte passiert eben nicht nur in den heroischen Momenten, sondern vor allem im Alltag. Und genau den zeigen die beiden Leipzigerinnen. Einen spezifisch weiblichen Blick kann man dabei aber schwerlich ausmachen.

Bis 10. März, Rosa-Luxemburg-Straße 19/21

Ganz und gar Kunst ist das Werk Yamamoto Masaos, von dem ein Ausschnitt in der Maerzgalerie in der Baumwollspinnerei noch bis morgen zu sehen ist. Schon die malerische Verteilung der kleinformatigen Papierabzüge an den Wänden lässt daran keinen Zweifel. Alle Bildchen sind Schwarzweiß, manche aber in einem Bad aus schwarzem Tee mit Patina versehen. Auch den Herumtragen dieser „Vignetten von Erfahrungen“ in Jackentaschen verstärkt den nostalgischen Effekt. Es sieht so aus, wie das Resultat eine Kramens in alten Schubladen, ist aber genau geplant und produziert.

Die etwas größeren gerahmten Landschaftsbilder sind zwar ebenfalls in Grautönen gehalten, aber durch gekonnte Dunkelkammerarbeit erhalten sie märchenähnliche Verfremdungen.

Nicht nur die Berufung auf Haiku-Verse zeigt die Verwurzelung Yamamotos in der japanischen Tradition. Es finden sich auch bestimmte Klischees, die man mit dem Land verbindet, der Kegel des Fuji etwa oder die Affen im Schnee. Und es ist dieses Spiel von Schwarz und Weiß, Linien und Flächen, und dazwischen viel Leere, das schon die Jugendstilkünstler an der fernöstlichen Kunst beeindruckte.

Bis 26. Februar, Spinnereistraße 7

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