Im Lande Müschfigs

Da gerade das Interesse an Aserbaidshan hochschwappt, habe ich eine unterdessen fünf Jahre alte Kolumne herausgesucht, die ich mal für den Chemnitzer Stadtstreicher geschrieben habe. Zwar war ich auch damals, 2007, nur wenige Schritte innerhalb Aserbaidshans, allein der Fund eines gedruckten Dokumentes hat bleibenden Eindruck hinterlassen:

[...] Für ein anderes ergötzliches Fundstück hat es aber noch gereicht. Das Deutschlehrbuch
nämlich, das an aserbaidschanischen Schulen benutzt wird. Der Sympathieträger, der den
heranwachsenden Aseris das Land Friedrich Schillers und Rudolf Diesels vertraut macht,
aber auch immer wieder heldenhafte Taten des eigenen Volkes und seiner Führer einflicht,
heißt in diesem Buch Müschfig. Müschfig unterhält sich am liebsten mit seinem Kumpel
Aras, manchmal aber auch mit der zarten Leila, ohne dabei den didaktischen Tonfall
abzulegen. Natürlich gibt es auch Lehrer, die sehr viel wissen. Beispielsweise, dass die
Gebrüder Grimm an der Humboldt-Universität studiert haben. Märchenhaft! Bei all den
Kenntnissen vergisst der Lehrer aber nie, zur Wachsamkeit gegenüber den armenischen
Faschisten aufzurufen. Und er bringt den Kindern die deutsche Grammatik anhand
interessanter Beispiele nahe. So heißt es bereits in der ersten Unterrichtsstunde: „ich höre
ab, du hörst ab, er hört ab …“ Eigentlich könnte ich aus diesem beeindruckenden Buch
gleich seitenweise zitieren, doch das wäre dann ja keine Kolumne mehr, sondern ein
Plagiat.
Auf einen Text muss ich aber unbedingt noch eingehen – die deutsche Fassung der
aserbaidschanischen Nationalhymne. Besonders sympathisch an der Hymne ist mir, dass
das Wort Brust gleich zwei Mal darin vorkommt. So heiß es in der zweiten Strophe: „Deine
Brust wurde zum Schlachtfeld! Deine Recht wahrenden Soldaten vollbrachten wahre
Heldentaten!“ Und die dritte Strophe lautet: „Sei ein Blumenland, wir schützen dich Hand
in Hand! Viel Ehre, viel Liebe und Lust erfüllen meine Brust!“ Leider konnte ich von
Georgien aus nur einen kurzen Blick über die Grenze hinein nach Aserbaidschan werfen.
Ich stelle es mir aber sehr schön vor, in solch einem lustbetonten Land zu leben und auf
blumenübersäten Schlachtfeldern Hand in Hand sein Banner zu erheben. Vielleicht
schaffe ich es, im nächsten Sommer einen Billigflieger über Helsinki nach Baku zu
erwischen.
[...]

Dazu ist es im Endeffekt leider doch nicht gekommen. Alle aus dem Zitat nicht klar deutbaren Zusammenhänge werden (vielleicht) aus dem verlinkten Originaltext erkennbar.

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