Jens Kassner

Texte, Kommentare und anderes.

Bröckelndes Elfenbein

Dass ich dieses Jahr nicht wieder ein Freiexemplar der Tippgemeinschaft, also der Jahresanthologie des Deutschen Literaturinstituts, mit Bitte um Rezension erhalten würde, war abzusehen. Also habe ich die Tippgemeinschaft 2011 käuflich erworben. Etwas Masochismus ist da schon dabei, hat mich doch noch keine Ausgabe seit der Erstlektüre 2004 wirklich mitgerissen.

Sparsames Gedicht

Da ich gerade die Tippgemeinschaft 2011lese, habe ich mich an das Poetron erinnert, den automatischen Gedichtgenerator  eines Mittweidaer Mathematikers. Und tatsächlich hat mir die Maschine ein wunderbares Poem ausgespuckt:
Sparende Minister

Warum sparen die kräftigen Minister?
Sparender Darm: Sie sparen und drohen verdammt so kräftig.
Aber?!
Drohen sie beknackt und mild?
Sieh nur: Sie sparen verdammt so [...]

Linientreu

“Lyrik trifft Linie” nennt sich ein Band, der zumindest durch das Querformat 20 zu 12 Zentimeter aus dem Rahmen fällt. Die Gedichte hat Klaus Meier geschrieben, ein bekennender Dessauer. Die Grafik stammt von Kati Kreklau, die wohl stärker zu Ortsveränderung neigt. Es ist ein Wendeband, man kann ihn von hinten und vorn lesen, sofern man [...]

Heute Städte-Battle

Heute geht das Livelyrix-Festival in der Distillery mit der Städte-Battle los, zu der Team Totale Zerstörung, Großraumdichten und Rocket antreten. Davor und zwischendurch bietet Broca Areal eine Fusion von elektronischer Musik und Poetry. Außerdem legt, wie üblich, DJ Rukey auf.

Sommerfest der Spokenwordszene

Was ist von einem Autor zu halten, in dessen Bühnenanweisung steht, dass eine Flasche eiskalter Wodka und 50 Gläser bereit stehen sollen? Vielleicht eine „himmelhochjauchzende Milieugeschichte“, wie die ZEIT über Tino Hanekamps neuen Roman „Sowas von da“ schreibt, der im Frühjahr bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Und weiter: „Das Personal besteht aus Chaoten, Schwätzern, [...]

Neues vom Kachelmann

Will Kacheln hieß eines seiner früheren Bücher, das neue nun (im Eigenverlag erschienene) nennt sich konsequent Mehr Kacheln. 50 Gedichte vereint Frank Klötgen darin laut Titel-Unterzeile und korrigiert sich wenig später: Eigentlich sind es ja 62 Gedichte. Darunter sind solche, die schon einen Klassiker-Status haben wie Der Täucher und Hinten im Korn.

Nummer zwei

Der Erfüllung meiner wahnwitzigen Neujahrsvornehmungen bin ich wieder ein winziges Stück näher gekommen. Gestern traf das Päckchen mit meinen Autorenexemplaren von Görlitz an einem Tag, erschienen im Lehmstedt Verlag, ein. Das zweite Buch in diesem Jahr. Nun muss ich nur noch abnehmen. Und Ukulele lernen, und Maschinetippen und …

Gruppenbild mit Lücken

Der Erwerb von Frédéric Valins Buch Randgruppenmitglied ist ein Resultat der Buchmesse, genauer der Lesung der unabhängigen Verlage im Lindenfels Westflügel. So wie üblich beim Berliner Verbrecher Verlag ist der Umschlag ganz minimalistisch gestaltet, schlichte Typo auf roter Fläche.
Unaufgeregt ist auch der Ton des Erzählers. Die narrativen Muster sind traditionell, ebenso die Sprache. Etwas aus [...]

Dathenfehler

Weshalb mir der Name Dietmar Dath in positiver Erinnerung geblieben ist, kann ich nicht mehr rekonstruieren. Jedenfalls habe ich ohne langes Überlegen zugegriffen, als ich in der Buchhandlung “Sämmtliche Gedichte” dieses Autors sah. Wäre es wirklich ein Lyrikband mit fast 300 Seiten, hätte ich den Fehler des Kaufs nicht gemacht. Doch das Taschenbuch ist ausdrücklich [...]

Nun schrumpft sie auch noch

Vor nicht so langer Zeit hatte ich ja über Edits Magerkeit geschrieben. Unmittelbar vor der Buchmesse erschien das neue Heft. Als Doppelheft 54/55 deklariert hat es zwar 140 Seiten, ist aber nur noch halb so groß im Format. Das soll nach Willen der im Rotationsprinzip wieder einmal recht aufgefrischten Redaktion signalisieren, dass es sich um [...]

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