Sommerminiatur Nr. 6
Posted on | August 7, 2010 |
Da ein durch die unerträgliche Hitze rammdösig gewordener Rentner vor die Straßenbahn gelaufen war, welche ihn rechtens auf die Straße zurückgeschleudert hatte, kam ein Rettungshubschrauber aus dem nahen Uniklinikum angeflogen. Der Arzt an Bord sah schon beim Landen, dass dem bereits zu einem Viertel im weichen Asphalt versunkenen Senior nicht mehr zu helfen war und gab dem Piloten Anweisung, gleich wieder durchzustarten. Doch es war zu spät. Die Kufen hatten schon auf der überhitzten Straße aufgesetzt. Zwar hob sich der Helikopter um mehrere Meter, doch klebrige Aspaltstreifen hielten ihn zurück wie frisch eingezogene Schlüpfergummis. Die herbeigelaufenen Schaulustigen hielten den Atem an vor Spannung. Der Pilot schien einen Gang hochzuschalten, was natürlich Quatsch ist, Hubschrauber haben im Allgemeinen keine Gangschaltung. Dennoch gaben die Schlieren endlich nach und der Hubschrauber schnellte abrupt um viele Meter nach oben. Tosender Beifall brandete auf, sogar einige Böller wurden gezündet. In der Kabine hatte sich allerdings durch die heftige Bewegung ein schlampig angebrachter Sanitätskasten gelöst und den Piloten schwer am Kopf getroffen, so dass er langsam ohnmächtig wurde. Zweihundert Meter hinter dem Klinikum zerschellte der Helikopter im Kakteenhaus des Botanischen Gartens. Die Leute an der Kreuzung, von denen viele schon in einem benachbarten Biergarten Brüderschaft tranken, konnten davon nichts wissen.
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